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De-Mail verklagt E-Postbrief – Der Kampf hat begonnen

Wie Romolus und Remus streiten De-Mail und der E-Postbrief über die sieben Hügel des Internets.

Ruft man sich die Informationen der letzten Monate zum Thema De-Mail und E-Postbrief ins Gedächtnis, könnte man sich fast im falschen Film vermuten. Die Betreiber des De-Mail Systems sehen sich kurz vor dem Start des Systems durch die Blockadehaltung der Deutschen Post ausgebootet. Dieser verweigert De-Mail Kunden sich per Post-ID Verfahren für den De-Mail Dienst zu registrieren. Da eine Identifikation beim De-Mails System, wie auch beim E-Postbrief, dringend notwendig ist, versucht die Post so ihren Konkurrenten daran zu hindern Boden gut zu machen. In alltäglichen Geschäftsleben ein normales Verhalten. Da das Post-ID Verfahren in Deutschland jedoch Standard ist, verklagt nun der De-Mail Betreiber United Internet die Deutsche Post. Diese würde jedoch gerne das Post-ID Verfahren exklusive für ihren eigenen E-Postbrief reservieren.

Alltag auf dem Markt:
Zwei Firmen kämpfen um Ihre Produkte und ihre Marktstellung. Im falschen Film könnte man sich aber desshalb vermuten, da De-Mail und der E-Postbrief eigentlich aus der gleichen Familie stammen, jetzt Konkurrenten sind und der E-Postbrief eigentlich irgendwann wieder zu De-Mail zurückkehren möchte. Von dem her könnte man den E-Postbrief als verlorenen Sohn ansehen, der in mittelfristiger Zukunft wieder heimkehren wird. Bis dahin will er aber nochmal richtig Kohle machen und seine Marktstellung ausbauen. Man könnte das Verhalten mit einem Fischer vergleichen, der einen Staudamm errichtet, seine Netze auslegt und wenn dann das System bzw. der Staudamm geöffnet wird, hat er die dicken Fische im Netz, schliesst sich aber dann wie alle anderen der Fischereigenossenschaft an, um seine dicken Fische gut verkaufen zu können.
Da der E-Postbrief 55 Cent kostet, während De-Mail für Privatpersonen zum grössten Teil kostenlos sein soll, sind die Fische natürlich sehr gross. Alle Vorteile des Systems mitnehmen, aber den deutlich höheren Preis dafür verlangen.
Ein Spiel das verständlicherweise nicht auf Gegenliebe bei den anderen Fischern Anbietern stösst. Darum nun die Klage seitens United Internet. Noch bevor die De-Mail als System und als Gesetz an die Öffentlichkeit geht gibt es schon Knatsch untereinander. Ein Zustand der von der Internetgemeinde nicht ohne Grund als humorvolle Steilvorlage gesehen wird.

Humor ist wenn man trotzdem lacht:
Sätz wie „Zwei blinde Dinosaurier streiten sich darüber, welche Farbe der Meteorit hat“, „Vielleicht bleiben uns dann beide erspart“, „Ja, macht euch gg.seitig tot! Wir brauchen einen offenen Standard…“ und „Als ob für den Schwachsinn nicht schon genug Geld ausgegeben wird“ gehören auf Twitter und Co. zum Tenor. Weder die Deutsche Post noch De-Mail erweisen sich dadurch einen Gefallen. Das schon angeschlagene System der „rechtsicheren E-Mail“ wird dadurch in der Öffentlichkeit nur noch mehr negativ belastet.
Die Kurzsichtigkeit der Deutschen Post ihren „yellow walled garden“ zu schützen, wird sich als Bärendienst erweisen. Da das De-Mail System (mit allen Anbietern) bereits jetzt stark in der Kritik steht, kann es nur einen Erfolg haben, wenn es so schnell als Möglich auf eine kritische Masse kommt. Hierbei entscheidet zu Beginn nicht so sehr bei welchen Anbietern die Kunden sitzen, sondern allein, ob sie Teil des System sind.

Ohne Gesetz nur teure E-Mails:
Hauptgrund der Verzögerung des De-Mail System bleibt jedoch neben allen Marktproblemen die verzögerte Rechtssicherheit. Noch immer wird am De-Mail Gesetz „herumgeschrieben“ und damit eine Abstimmung verzögert. Für Kritiker des System ist diese Verzögerung etwas Gutes. Fordern sie doch schon länger offene Standards wie S/MIME* und OpenPGP bzw. GnuPGP. Diese teilweise sogar kostenlose Systeme erlauben es E-Mails selbständig und ohne ein neues System zu verschlüsseln und zu unterschreiben. Leider haben sich alle diese Techniken nicht auf dem Markt durchgesetzt. Umgerechnet werden heute erst 3 Prozent der E-Mails verschlüsselt. Ironisch und sehr frech könnte man sagen, dass die Personen die heute De-Mail verteufeln und nach PGP und Co. rufen eigentlich selber schuld sind, dass De-Mail erfunden wurde. Hätten diese Personen von Anfang an mehr für die Durchsetzung privater Verschlüsselungstechniken unternommen, wäre für De-Mail erst gar kein Markt entstanden. Da aber in der breiten Öffentlichkeit kaum Sensibilität für das Thema Verschlüsselung herrscht, würde diese Schuldzuweisung viel zu weit greifen.*

PGP und Co. haben keine Lobby:
Fakt ist jedoch, dass sich solange nichts ändern wird, solange es keine Masse an Internetnutzern gibt, welche die Verschlüsselungen einsetzen und solange keine Lobby der Politik gegenüber ihre Interessen vertritt. Erst dann kann auch die Politik die seit über 10 Jahren existierenden kostenlosen Verschlüsselungstechniken rechtlich als bindend definieren. Erst dann kann eine rechtssichere und rechtsverbindliche Kommunikation über S/MIME und PGP erfolgen. Erst dann wird De-Mail und Co. qualitativ ausgehebelt. Bis dahin bleiben die Schreie nach offenen Verschlüsselungsstandarts auf Twitter und Co. nur Hilfeschreie Verdurstender in der Wüste oder besser gesagt Ertrinkender im De-Mail Stausee.

Links:
Kein Postident United Internet wirft Post Behinderung der De-Mail vor
WiWo: De-Mail-Sabotagevorwurf gegen Deutsche Post
De-Mail verklagt E-Post

* De-Mail soll S/MIME unterstützen
*für alle dies es nicht verstanden haben: Ihr seid NICHT Schuld an De-Mail

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