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De-Mail Konto eröffnet

Seit heute bin ich nun „stolzer“ Teilnehmer des Pilotprojekt De-Mail in Friedrichshafen. Nach der Anmeldung vor ein paar Wochen (siehe älteren Beitrag) habe ich nun mein De-Mail Konto freigeschaltet. Man muss allerdings dazu sagen, dass die Anmeldung deutlich früher kam, ich aber bis jetzt keine Zeit dafür hatte.
Mein erster Eindruck ist allerdings nicht wirklich berauschend. Die Darstellung ist, was Farbe, Form und Aufbau angeht, nicht besonders übersichtlich. Die Gestaltung erinnert eher an E-Mail Postfächer vor 10 Jahren. Einfache Buttons und viele unübersichtliche Tabellen mit Text bestimmen das Bild. Sogar ich, der sich nicht erst seit gestern im Internet tummelt, benötigte mehr als ein paar Minuten um mich zurecht zu finden.
Leider ist die technische Erklärung ebenfalls mehr als dürftig. Ich finde Sicherheitsstufen die nirgends erklärt werden und bei denen ich Angst habe sie zu aktivieren, da ich vielleicht dann aus meinem eigenen Postfach ausgesperrt werde. (Aus Sicherheitsgründen verzichte ich hier auf ein Screenprint.)
Alles in allem also etwas mager. Auch Google konnte nicht weiterhelfen. Jetzt hoffe ich auf den Info-Abend am 2. November im Graf-Zeppelin Haus. Die Organisatoren und Mitgründer des De-Mail Systems geben sich wirklich Mühe das Ding an den Mann zu bringen. Zwei Infoabend sollen offene Fragen beantworten. Leider habe ich den ersten schon verpasst und vom zweiten habe ich auch nur erfahren, da ich gute Quellen zum Rathaus habe. An der Kommunikation (Szon) muss also noch dringend gearbeitet werden. Ich hoffe nur, dass das kein Abend wird an dem sie Omas und Opas erklären müssen was eine E-Mail ist, sondern wirklich tief in die Materie abtauchen. Sonst wird das für mich ein sehr langer Abend. Ich werde aber auf jeden Fall mal vorbeischauen und weiterberichten.

Allerdings übersehe ich bei der ganzen „oh wie toll endlich eine sichere und SPAM frei E-Mail“ Euphorie nicht die kritischen Kommentare. Auf der Seite der Donutpiraten wird heftig darüber diskutiert wie sinnvoll und sicher die De-Mail ist. Wenn man Wikipediaauszüge wie:

„Eine Verschlüsselung der Inhalte beim Provider sowie eine Verschlüsselung der Übertragungswege soll Sicherheit. gegen den Zugriff durch Unbefugte bieten und trotzdem ein Abhören durch staatliche Stellen ermöglichen.“

liest, dann wird einem schon etwas bange. Oder wie es Nic auf Donutpiraten.de ausdrückt:

„DE-Mail soll also dem Staat ermöglichen, meine Mails mitzulesen, sogar meine Kontoauszüge sich anzuschauen und alle Internetgeschäfte einfach nachzuvollziehen? Nach meiner Auffassung gehört auch der Staat zu den Unbefugten.“

Dieser Meinung bin ich auch. Privat ist privat. Auch für den Staat. Auf der einen Seite hoffe ich de FDP wird in dieser Legislaturperiode die Bürgerrechte, gerade auch im Internet, wieder stärken zum anderen will ich, zumindest im Moment, die technische Seite der De-Mail nicht schlecht machen, nur weil die aktuellen Gesetze schlecht sind. Da ich im Moment die Adresse nur freigeschaltet habe und noch nicht in Gebrauch habe, gebe ich im Moment noch nichts persönliches von mir preis. Sollte es dann wirklich einmal zum aktiven Gebrauch der Adresse kommen muss ich mich entscheiden was mir lieber ist. SPAM frei und sicher oder privat und rechtlich geschützt (Postweg). Doch im Moment teste ich das Konto einfach mal.
Teltarif.de rät darüber hinaus zur Nutzung von zwei getrennten E-Mail Konten:

Für die Kommunikation mit diversen Behörden, allen voran dem Finanzamt, werden viele Bürger kaum um die Nutzung von De-Mail herumkommen. Für alle anderen Zwecke nutzt man aber besser seine bisherige E-Mail-Lösung weiter.

Eine weitere Frage die H. in dem Kommentaren bei Donutpiraten richtig angemerkt hat ist, ab wenn die per De-Mail gesetzten respektive verschickten Datumsfristen gelten? Mit dem Tag des Eintreffens auf dem Server oder mit dem Tag des Lesens durch den Nutzer. Ein Einschreiben gilt erst dann als zugestellt, wenn ich es in den Händen halte. Wie sieht es mit dem De-Mails aus? Das ich glaube ich noch nicht geklärt und ich werde es auf die Fragenliste setzen.

Für weitere Fragen und Antworten siehe auch folgende Links:

Lawblog.de
Teltarif.de

4 thoughts on “De-Mail Konto eröffnet”

  1. Da ich der Donutpiraten-Autor bin, möchte ich mich kurz zu Wort melden:
    Im Moment ist es keinesfalls so, dass ein Einreiben als zugestellt gilt, wenn es den Empfänger nachweislich erreicht hat. Es gibt dieses schöne Konstrukt der “Niederlegung bei der Post” – d.h. wenn Du ein amtliches Schreiben per Einschreiben erhalten sollst, aber nicht anzutreffen bist, wird das Schreiben bei der Post hinterlegt. Es gilt (nach 3 Tagen) als zugestellt. Wenn Du in dieser Zeit nicht am Briefkasten (wo ein Hinweis klebt) oder bei der Post warst: Pech gehabt.
    Deshalb gehe ich davon aus, dass das Zustellen auf dem Server genügt. es liegt in der Verantwortung des Empfängers, sein Postfach zu leeren.

  2. Hi Nic,
    danke für dein Kommentar und deine Erklärung/Berichtigung zum Thema Einschreiben. Wieder was dazugelernt. Dass das Mail als zugestellt gilt, sobald es auf dem Server ist, kann ich mir auch gut vorstellen. Allerdings habe ich zu diesem Thema nichts schwarz auf weiss gefunden.

  3. Tach auch,
    Wenn du wirklich deine E-Mails vor mitlesen schützen willst, dann kannst du meiner Meinung nach niemand anderem und schon gar nicht dem Übertragungsweg (das schließt den Provider ein) trauen.
    Du musst schon die E-Mail bei dir auf dem Rechner verschlüsseln und dann versenden. Die Gegenseite muss die E-Mail dann natürlich auch auf dem eigenen PC entschlüsseln.
    Dies ist natürlich in einer Webmail-Oberfläche sehr schwer zu realisieren, aber De-Mail erlaubt (laut Spezifikation) auch POP3/IMAP und SMTP zwischen Kunde und Provider und somit könnten private Mails mit z.B. GPG (recht komfortabel wenn einmal eingerichtet mit Firefox + Enigmail) ordentlich verschlüsselt werden.

  4. Hi Mori,
    diese Idee haben sie anscheinend auch überlegt. So zumindest die Aussage am Info-Stand. Allerdings sind sie zumindest im Moment davon abgewichen, da sie die Mail für alle, auch Oma und Opa, lesbar machen wollen. Ein verschlüsseltes Mail benötigt beim Empfänger auch immer einen Weg dieses wieder zu entschlüsseln. Dies kann jedoch nicht vorausgesetzt werden. Darum haben sie die Idee im Moment auf Eis gelegt.

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