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Open-Ride – die browsergestützte Mitfahrzentrale für Smartphones

Mobilität wird immer teuer und gleichzeitig immer wichtiger. In Grossstädten besitzt schon lange nicht mehr jeder ein Auto und auch als Statussymbol scheint das Auto immer mehr in den Hintergrund zu rücken. Dies hat auch das Frauenhofer Institut in Berlin erkannt und arbeitet derzeit wie flinc (siehe älterer Artikel) an einer Mitfahrzentrale für Smartphones.

Christian Geiger vom Deutsche Telekom Institute for Connected Cities (TICC) an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen erklärte sich freundlicherweise bereit das Open-Ride System für Baetschman.de näher zu erläutern.

Wie alle Mitfahrgelegenheit für Smartphones haben auch die Macher Open-Ride erkannt, dass mit durchschnittlich 1,3 bzw. 1,4 Personen pro Auto die Kapazitäten lange nicht erschöpft sind. Zu viele freie Sitzplätze werden täglich auf unseren Strassen herumgefahren. Was fehlt sind Vermittlungssysteme auf Kurzstrecken. Alle bisher etablierten Systeme sind durch ihre Bauart nur für längere Strecken mit einer deutlich längeren Vorplanungsphase geeignet. Dies hat auch das Frauenhofer Institut erkannt und mit Open-Ride ein System entwickelt, welches diesem Problem Abhilfe schaffen soll.

Open-Ride ist der Versuch Fahrer und Mitfahrer auf Kurzstrecken per Smartphone untereinander zu vermitteln:
Von den Medien relativ unbemerkt, wird das Systeme bereits seit September in einer ersten Pilotierung an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen getestet. Wie Christian Geiger mitteilte gab es hierfür ganz bestimmte Voraussetzungen. Zum einen ist Professor Dr. Joern von Lucke, Leiter des Institute for Connected Cities (TICC) beim Frauenhofer Institut beheimatet und zum anderen zeigt der Campus der Zeppelin Universität ganz bestimme Charakteristika, die einen Test hier besonders sinnvoll erscheinen liessen.
Zwei von einander getrennte Campi, eine schlechte Parkplatzsituation und schlechte Busverbindungen machten es nach laut Christian Geiger unmöglich mit ÖPNV zwischen den Orten zu verkehren, zudem war es durch die fehlenden Parkplätze nur einer handvoll Studenten möglich mit dem Privatauto zur Universität zu kommen. Situationen fast wie in einer Grossstadt. Last but not least wurde an ZU Friedrichshafen dank des jungen Publikums eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Smartphonenutzern registriert.
Der offenen Denkweise von FOKUS (Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS), sei es auch zu verdanken, dass Open-Ride mit Absicht nicht als iPhone oder Android App konzipiert wurde, sondern als offene Browseranwendung, so Christian Geiger weiter. Eine Mark- und Systembindung findet somit nicht statt, was automatisch den Nutzerkreis auf alle Besitzer eines modernen und internetfähigen Smartphones erweitert.

Das Programm Open-Ride:
Im Gegensatz zu flinc ist Open-Ride mit Absicht nicht als App konstruiert worden. Das System läuft unabhängig in jedem modernen Smartphone-Browser und erweitert so automatisch seinen theoretischen Nutzerkreis.
Nach der Anmeldung kann jeder Nutzer in seinem Profil alle wichtigen Daten wie Spitzname (Nickname), Photo, Geschlecht, Alter, Autodetails, KFZ-Kennzeichen und Raucher oder Nichtraucher ausfüllen. Somit können später bei der Auswahl der Fahrer und Mitfahrer genau die Personen akzeptiert werden, die in das eigene Wunschprofil passen. Bei jeder neuen Route kann der Nutzer eingeben, ob er als Fahrer oder Mitfahrer erscheinen soll, so kann problemlos zwischen den beiden Status gewechselt werden.
Anhand von diversen Eingabefeldern können sowohl Start- und Zielpunkte, wie auch Raucher oder Nichtraucher und die Anzahl der freien Sitzplätze eingegeben werden. Somit weiss jeder Mitfahrer, ob der zur Verfügung stehende Fahrer für ihn (und seine Freunde) geeignet ist.
Das Programm erlaubt es neben der freien Eingabe von Strassenamen auch gewisse Adressen als Favoriten zu speichern. So können wichtige Punkte wie z.B. die eigene Wohnadresse, der Arbeitsplatz oder die Oma, welche man als guter Enkel oder Enkelin am Sonntag immer besuchen geht, gespeichert und damit schnell angewählt werden. Zur leichteren Orientierung werden Start- und Zieladressen in einer Googlekarte angezeigt. Der Standort wird dabei entweder über GPS oder Triangulation bestimmt. Was jedoch komplett fehlt und laut Christian Geiger im Moment auch nicht geplant ist, ist eine Navigationslösung. Die Nutzer müssen ihr Ziel also selbstständig oder durch ein extra Navigationsprogramm finden. Während der Pilotierung sind zur leichteren Orientierung bereits fünf Punkte (Bahnhof, Airport, ein grosses Einkaufs- und Vergnügungscenter und die beiden Uni-Campi) als Favoriten eingetragen.

Matching und Benachrichtigung:
Wie bei den anderen Ad-Hoc Mitfahrgelegenheiten findet ein Matching, also ein Vergleich der Routen, sekundenschnell auf dem Server statt. Mitfahrer und Fahrer geben ihre Anfrage in das System ein und werden bei Übereinstimmung miteinander vermittelt. Der Fahrer kann dann entscheiden, ob er die Anfrage annimmt oder ablehnt.
Da das System rein browserbasiert ist, gibt es keine App und damit auch keine Push-Benachrichtigung. Will sich der Nutzer also informieren, ob eine andere Personen seine Mitfahreranfrage oder sein Fahrangebot angenommen hat, muss er sich immer direkt einloggen. Erst dann erhält er über ein kleines Benachrichtigungsfenster den Hinweis, dass eine Anfrage respektive eine Bestätigung vorliegt. Wer also seinen Browser schliesst, wird nicht über eingehende Benachrichtigungen informiert und verpasst so unter Umständen eine Mitfahrgelegenheit. Wie jedoch Christian Geiger bestätigte, gehen auch bei einem Datenabbruch oder bei einem Browser-Absturz die Daten nicht verloren. Der Nutzer loggt sich wie gewohnt erneut ein und erhält dann die jeweiligen Benachrichtigung erneut angezeigt.
Sollte man doch einmal eine Mitfahrgelegenheit verpassen oder im Stau stehen, besteht die Möglichkeit per Mobilfunknummer den anderen Nutzer anzurufen. Eine Art SMS-Funktion gibt es jedoch nicht.

Kosten und Gebühren:
Während der Pilotierung ist das System für alle Nutzer kosten. Wie es danach aussieht, konnte während des Interview nicht beantwortet werden, da Christian Geiger keinen Einblick in die firmeninternen Pläne hat. Es wird jedoch bereits jetzt ein Preis vorgeschlagen. Dieser richtet sich nach der Entfernung und beträgt für eine Beispielstrecke von circa 6 km (laut Routenplaner die Entfernung zwischen den beiden Uni-Campi) 50 Cent. Dieser Betrag dient jedoch zur zukünftigen Orientierung und muss während dem Pilotprojekt noch nicht bezahlt werden. Ob und welche Gebühr später an Open-Ride entrichtet werden muss, ist jedoch noch komplett unbekannt. Da die Verantwortlichen von Open-Ride ein Interview aus terminlichen Gründen abgelehnt hatten, können hierzu auch keine Aussagen getroffen werden.

Bewertungssystem:
Um schwarze Schaffe besser von der Herde trennen zu können, gibt es auch bei Open-Ride ein Bewertungssystem, über das jeder Nutzer eingestuft werden kann. Der Bewertende kann dabei zwischen Daumen nach oben oder Daumen nach unten, einer neutralen Bewertung und einem Freitext wählen. Ob eine Zensur bzw. eine Kontrolle dieser Freitexte erfolgt, ist im Moment unbekannt.

Datensicherheit:
Aus Datenschutzrechtlichen Gründen werden vor der Fahrtenvermittlung nur die Grundinformation wie z.B. der Spitzname und die Bewertungen eines jeden Profils angezeigt. Erst nach Annahme durch den Fahrer, können Daten wie Mobilfunknummer, Kennzeichen usw. eingesehen werden. Auch wird die Verbindung mit dem Server über eine einigermassen sicherer https-Datenleitung realisiert, was die persönlichen Daten und auch das Bewegungsprofil gegen neugierige Dritte abschirmen soll. Eine Überprüfung der eingegeben Profildaten durch Adressen-Verifizierung findet nicht statt. Da das System während der Pilotierung nur dem geschlossenen Nutzerkreis der ZU Angehörigen zu Verfügung steht, war dies bis jetzt auch nicht notwendig. Ob dies beim endgültigen Roll-Out geändert wird, konnte Christian Geiger nicht beantworten. Es bleibt also offen, ob sich die Macher von Open-Ride ganz auf die Bewertungen der Nutzer verlassen.

Nutzerzahlen und Akzeptanzstudie:
Bis jetzt wurde noch keine offiziellen Nutzerzahlen seitens des Frauenhofer Instituts bekannt geben. Dies soll eine Akzeptanzstudie Ende Januar zeigen. Beinhalten wird die Studie auch erste Feedbacks und Verbesserungsvorschläge. Erst dann werden vermutlich auch Entscheidungen zur zukünftigen Vermarktung getroffen. Dies dürfte dann auch Antworten zu Preismodellen, eventuellen Smartphone-Apps und Navigationslösungen beinhalten.

Ein herzliches Dankeschön an Christian Geiger von der Zeppelin Universität für das Interview.

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6 thoughts on “Open-Ride – die browsergestützte Mitfahrzentrale für Smartphones”

  1. man kann nicht einfach den schwierigen Teil (gemeinsame Navigation) bei einem spontanen Mitfahrsystem weglassen und trotzdem auf einen Erfolg damit hoffen. Und wie soll das Matching auf dem Vermittlungsserver funktionieren? Etwa per Stichwortsuche? Das ist gnadenlos daneben und bestärkt mich in meiner Meinung, dass OpenRide doch nur eine Totgeburt ist. Lebenszeichen waren bislang ja auch kaum zu vernehmen. Hoffentlich macht es flinc besser!

  2. Wenn man mit gemeinsamer Navigation Routing meint , denn doch die gibt es bei Open-Ride. Open-Ride wird von vielen weiterentwickelt. CoWaG ist z.B eine weitere Entwicklung von Open-Ride, die schon jetzt online ist. CoWaG ist sogar für Mitfahrgelegenheiten sowohl innerhalb die Städten Deutschlands als auch zwischen den Städten (kurze und lange Strecken).

    Sie finden CoWaG in folgenden:

    Facebook: http://apps.facebook.com/cowag-app/
    Mobile (in Smartphones): http://www.cowag.mobi/
    Web: http://www.cowag.de/

  3. Aber wenn man mit gemeinsamer Navigation meint, dass der Fahrer in seinem Navigationssystem zu den Mitfahrer navigiert, dann ist die Antwort nein, denn Open-Ride ist meines wissen noch nicht in irgendwelchen Navigationssystem integriert wurde. Das ist ein To-Do bei mir, wird noch kommen, sicherlich.

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