De-Mail – das Ende einer Leidensgeschichte

Dies dürfte vermutlich der letzte Beitrag zum Thema De-Mail werden. Zu hoch waren die Erwartungen und zu gering der Markt – von der lückenhaften Technik ganz zu schweigen. Und wieder zeigt sich, dass wir Deutschen alles können, nur kein Internet.

Wir erinnern uns: Alles hatte so gut angefangen. De-Mail sollte die erste echte rechtssichere E-Mail werden. Durch amtliche Anmeldung der Nutzer sollten diese eindeutig identifizierbar sein. So hätte man auch Verträge und andere rechtliche Kommunikation bequem am Compuer erledigen können. Wie schön wäre es gewesen rechtssicher (und hack-sicher da verschlüsselt) mit den Behörden, der Bank, den Versicherungen, dem Anwalt oder anderen wichtigen Stellen zu kommunizieren. Der Briefkasten wäre vermutlich zum reinen “Werbe-Eimer” degradiert worden. Doch dann kamen die Beamte, die Richter und die Politiker und natürlich die Buchalter der Unternehmen ums Eck und wollten mitreden – und mitverdienen.

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Der Preis
Wer so einen tollen neuen Dienst nutzen wolle, der solle auch dafür bezahlen. Dass das De-Mail Projekt, wie übrigens auch sein gelber Bruder der E-Postbrief, in der Öffentlichkeit immer nur als E-Mail gesehen wurde und darum von Beginn an auf schlechtem Posten stand, scheinte in den Geschäftsabteilungen und den verstaubten Beamtenzimmer niemand zu stören. Den Bürgern konnte jedoch nie erklärt werden, warum man für E-Mails plötzlich Geld bezahlen müsste. Lassen wir mal bei Seite, dass 99 Prozent der E-Mail-Nutzer noch nicht verstanden haben, dass E-Mails nicht kostenlos sind (Serverkosten, Personalkosten etc.), so wollte niemand für eine De-Mail 30 oder 40 Cent ausgeben – rechtssicher oder nicht.  Auch Lockangebote von drei (in Zahl: 3) kostenloser De-Mails pro Monat vermochten die Nutzer nicht zu überzeugen.

Die Technik
Für Informatiker war das Konzept hinter De-Mail ebenfalls nie verständlich. Die De-Mails sollten fälschungssicher und rechtssicher sein, werden jedoch auf jedem De-Mail Provider/Server auf den diese treffen “kurz” entschlüsselt, was unter Umständen potentielle Angriffspunkte für kriminelle Hacker oder gemeine Spione im In- und Ausland offen legt. Eine Kommunikation mit dem Anwalt wäre somit schon mal ausgeschlossen. Auch Bankdaten wäre gefährdet. Die beteiligten Unternehmen und Bundesbehörden werden natürlich nicht müde dies zu verneinen und die Entschlüsselung mit SPAM- und Virenschutz zu begründen.

Wenn man keine Kunden hat macht man halt eine Flat
Doch jetzt nach drei Jahren – gefühlt waren es wohl zehn – ist De-Mail fertig. Doch keiner will das Produkt haben. Zu teuer, zu unsicher, zu geringer Mehrwert, zu wenige Firmen, die das System nutzen und und und. Fakt ist, dass weder Endverbraucher noch Firmen einen wirklich Mehrwert erkennen können. Immer wieder springen Firmen ab und neue kommen hinzu. Dazu kommt, dass der Posteingang bei De-Mail auf Grund der Rechtssicherheit alle drei Tage kontrolliert werden muss. So wie z.B. der Briefkasten an Tür. Für viele Nutzer also ein zusätzlicher Aufwand und ein weiterer Posteingang, der übersehen werden kann. Hinzu kommt, dass E-Mails im privaten Bereich immer mehr der Vergangenheit angehören und zunehmend von Messengern abgelöst werden. Auch rechtlich nicht relevante Anfragen an Firmen (z.B. Kunden-Support) werden heute über Social Media angeboten. Warum also noch E-Mails verwenden?

Das erkannten die beteiligten Unternehmen wohl selbst und bieten nun seit März 2014 den De-Mail Dienst kostenlos an. Vermutlich in der Hoffnung, dass doch noch jemand das Angebot nutzen wird. Was bleibt ist ein Projekt, das mit guten Vorsätzen gestartet ist, aber von allen beteiligten Stellen Stück für Stück aufgebrochen und zerrieben wurde. De-Mail zeigt wieder, dass wir Deutschen viel können, nur kein Internet. Denn was am Ende der Mühlen herauskommt ist meistens nur noch ein Schatten von dem, was oben eingefüllt wurde. Zu viele Stelle mit zu vielen alten Männer verwalten und kontrollieren ein System (oder sollte man sagen eine Idee), dass sie weder verstehen noch als Zukunftschance für unsere Land und die Menschen sehen. Dieses Internet ist für viele Entscheider immer noch neu, unbekannt und voller böser Menschen und illegalen Inhalten. Hätte man damals Autos auf 20km/h beschränkt, weil damit Banken überfallen werden können und man so die Bankräuber besser hätte verfolgen können, wäre Deutschland nie zum Autoland aufgestiegen.

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Das De-Mail Projekt ist damit von Beginn an ein Paradebeispiel dafür, wo das Internet heute in Deutschland steht! Und dann wundern sich Leute immer, warum Unternehmen wie Google, Facebook und Co. nicht in Deutschland entstehen können.

P.S.: Ich sage nicht, dass Google, Facebook und Co. alles richtig machen, aber es ist klar ersichtlich, dass diese Unternehmen nie in Deutschland hätte gegründet werden können.

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Ralf Bachmann

Aktuell: Content Marketing & PR Manager

Ausgebildeter Journalist, PR-Berater & Projektmanager mit Faible Content-Marketing, Social Media, Unternehmenskommunikation, Digitalisierung, Collaboration-Tools und alles rund um “Web 2.0”.

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