Urlaub im Funkloch

Früher war es so, dass Hotel und Reiseziele damit Werbung machten, dass man dort kostenlos W-LAN hatte oder überall mit dem Handy erreichbar war. Heute dreht sich das ganze um. In manchen Gegend wird damit Werbung gemacht, nicht erreichbar zu sein. Hotels ohne W-LAN, ganze Städte im Funkloch oder Hotels in denen man das Handy am Empfang angeben kann, werden anscheinend immer beliebter.
Der heutige Mensch und Gast fühlt sich wohl von der Technik so vereinnahmt, dass er es toll findet einmal nicht erreichbar zu sein. Urlaub heisst auch Urlaub vom Handy.

Wer es früher andauernd mit sich führte, es gar während eines Gesprächs auf den Tisch legte, galt als Angeber. Heute ist es Standard, durchgehend erreichbar zu sein. Wer es nicht ist, hat nicht nur beruflich ein Problem. Treffen werden kurzfristig abgesagt oder verschoben, Geburten oder sogar Todesfälle per SMS verkündet. Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien sagt: “Gewisse Gewohnheiten haben sich in den Alltag hineingeschlichen, unbewusst und sind nun nicht mehr wegzudenken. Zwei Drittel sehen das Handy als Nabelschnur: Ich bin zwar im Urlaub, aber noch da.” Würde man sich dem entziehen, laufe man Gefahr, etwas zu versäumen. Der neue Lebensstil setze permanentes Networking voraus. Er sieht derzeit “eine Minderheit, die die Selbstdisziplin hat, sich dem im Urlaub zu entziehen”.

Hier wird meiner Meinung nach ein Zauberwort erwähnt: „Disziplin“.
Wie oft höre ich den Satz:“Blöde Handys. Andauern klingeln sie“, oder „ich möchte nicht immer erreichbar sein, darum lasse ich mein Handy daheim.“ Am besten gefallen mir aber immer noch Sätze die Handys und Co. Verteufeln, weil sie einen vom Alltag ablenken. Wie kleine Teufelchen die auf der Schulter sitzen und die man nicht los bekommt.



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Bettina Beurer-Züllig, deutsche Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität St. Gallen, hat die Auswirkungen von Smartphones im Unternehmenskontext untersucht: “Handys habe eine große Auswirkung auf die Work-Life-Blance. Die Personen können schlechter abschalten, sie sind immer erreichbar und haben das Gefühl, im Beruf etwas zu verpassen.”
Auch auf die Familien habe dies extreme Auswirkungen. “Eine Frau erklärte etwa, sie würde das Handy ihres Mannes am liebsten in den Müll schmeißen, wenn er auf der Piazza in Italien seine E-Mails checkt”, sagt die Wissenschaftlerin.

Niemand (und schon gar keine Technik) zwingt jemanden sein Handy angeschaltet zu lassen oder einen Anruf zu beantworten. Jeder ist Herr über die Technik. Und nicht umgekehrt. Erst wenn die Leute das lernen werden sie freier sein. Die Angst etwas zu verpassen oder Geschäftstermine nicht einhalten zu können liegt im Kopf und am System und nicht an der Technik. Handys, das Internet und jede andere Kommunikationsform sind nur Kanäle die genutzt werden. Es benötigt eigene Kompetenz diese in den persönlichen Alltag und zunehmend auch in das persönliche Wohlbefinden zu integrieren. Wer diese Kompetenz nicht besitzt sollte die Schuld nicht bei der Technik suchen. Eine Handy ist und bleibt ein Werkzeug wie ein Hammer. Nur weil man sich auf den Daumen haut würde man nicht alle Hämmer aus dem Haus entfernen.

Eine ausführlichen Bericht mit Beispielen gibt es hier:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/a-689778.html

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