AKTION STRESSFREIES NIGHTLIFE

FN – Aber sicher.
Unter diesem Motto haben sich neun Besitzer der grössten Club und Discotheken in Friedrichshafen am Bodensee zusammengeschlossen und mit der Polizeidirektion Friedrichshafen einen Vertrag ausgearbeitet, der das Nachtleben in Friedrichshafen sicherer machen soll. Idee des Ganzen ist, dass Krawallmacher, wenn sie in einem der neun teilnehmenden Lokale Stress anfangen, nicht nur in dieser Disco Hausverbot bekommen, sondern gleich automatisch in allen acht anderen auch.

Eine Aktion, die sich auf den ersten Blick gar nicht so schlecht anhört. Aber eben leider nur auf den ersten Blick, denn für meine Geschmack sind da zuviele ‘aber’ ersichtlich.

Ich berufe mich hier auf einen Artikel der kostenlosen Zeitung „Seewoche“ sowie zwei Internetartikel der „Schwäbischen Zeitung“ und des „Südkuriers“ aus dem Internet.



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Wie oben erwähnt haben die Besitzer der neun grössten Clubs und  Discotheken, zu denen der Club Zirkuss, der Club Metropol, das Nachtcafé Meal, der Club Fortuna, das Tanzcafé Sinatra, die Sealouge, das Trinkwerk, der Bahnhof in Fischbach und das Restaurant Halbhuber gehören, beschlossen etwas für die „Jugend“ zu tun und Krawallmacher nicht nur aus einem sondern bei Verstössen gleich aus allen neun Lokal zu werfen. Und das für ein Jahr. Laut der Seewoche, habe die Betreiber

„Nägel mit Köpfen gemacht“

denn

„Besonders die unter 21-jährigen Jugendtäter bilden nach Aussage von Wolfsturm die Hauptgruppe der gewaltgeneigten Personen und soll mit dieser Aktion abgeschreckt werden.“

Jetzt stelle ich mir natürlich die Frage, wie man das kontrollieren will. Sicherlich kann man beim Verweiss die Namen notieren und auch per Datenbank oder einfach per E-Mail an alle neun weiterleiten. Aber wer kontrolliert und liesst diese Datenbank? Und welcher Türsteher merkt sich denn die Gesichter dieser Typen? Sagen wir mal, dass durchschnittlich zehn Personen pro Woche aus allen neun Lokal verwiesen werden. Dann sind das zehn Gesichter die sich alle neun oder sogar 18 Türsteher merken sollen. Wie soll denn das gehen. Denn ein Polaroid á la „Most Wanted“ am Eingang aufhängen geht ja wegen dem Datenschutzes nicht. Also bleibt nur das Gedächtnis der einzelnen Türsteher. Mal abgesehen davon, ob es überhaupt zulässig ist, im Fall der Fälle meinen Namen und mein Bild an andere Discos weiterzuschicken. Aber das ist Detail 🙂
Bleiben wir beim Türsteher am Samstagabend. Was interessiert es denn einen Türsteher, wenn ein Gast in sein Lokal will, der vor 2-4 Wochen in einem ganz anderen Lokal Stress angefangen hat. Das ist doch dem egal. Solange er sich hier friedlich verhält und dem Türsteher nicht Arbeit aufzwingt sind doch alle zufrieden. Der Gast darf rein, der Türsteher muss weder geistige noch körperliche Arbeit verrichten und der Betreiber bekommt das Geld. Alle sind glücklich!
Sicherlich kann laut der „Schwäbischen Zeitung“ auch die Polizei bei Kontrollen feststellen, ob die Hausverbote auch eingehalten werden. Aber solang man keine digitale Datenbank hat, in dem man den betreffenden Namen einfach nur eintippen muss, dauert das ja ewig einen Namen auf einem Blatt Papier zu finden. Ein Aufwand, den jeder Polizeibeamte Nacht um 3 Uhr sicherlich gerne auf sich nimmt.

Logischerweise droht dem Gast bei zu Widerhandlung ein Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Aber wie gesagt, muss der betreffende Gast erstmal erkannt werden und glauben die Besitzer denn, dass sich ein so gewaltbereiter „Jungwachsener“, der sicherlich nicht nur in der Disco sondern auch bereits in der Öffentlichkeit wegen Gewalttaten aufgefallen ist, von so etwas abschrecken lässt? So naiv können die doch nicht sein. Und sind sie meiner Meinung auch nicht. Denn in Wirklichkeit geht es den Besitzer doch nur darum sich in der Öffentlichkeit zu profilieren. Es geht darum gut auszusehen und den besorgten Eltern und Gutmenschen zu signalisieren – „Wir unternehmen etwas – FN wird sicher“.
Wie es dann in Wirklichkeit aussieht und die „guten“ Ideen umgesetzt werden steht dann wie immer auf einem anderen Blatt.

Aber der Artikel geht noch weiter.

„Ein besonderes Problem in Friedrichshafen stellt laut Polizeirat Renz der Rechtsextremismus dar. Darum sei Punkt acht des Vertrages Chefsache. Er besagt, dass rassistische Handlungen in den Betrieben zu unterbinden sind“

So sollen Personen die durch Kleidung und Symbole in diese Szenen einzuordnen sind erst gar nicht mehr in das Lokal rein gelassen werden.
Finde ich ja auf den ersten Blick wieder toll. Was macht man aber, wenn der Grossteil der Türsteher entweder „Mitbürger mit Migrationshintergrund“ oder sogar ehemalige oder aktive Rechtsextreme sind? Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die meisten Türsteher nicht bis fünf zählen können und schon gar nicht alle rechtsextremen Symbole kennen und erkennen können. Es läuft ja kaum jemand mit einem sichtbaren Hakenkreuz auf der Brust in die Disco. Was den zweiten Teil der Türsteher angeht, so gibt es im Umkreis von Friedrichshafen doch ein beträchtliche Anzahl von Türstehern die, vorsichtig  ausgedrückt, dieser erwähnten Szene früher nahe standen und vielleicht heute sogar noch nahe stehen. Ich will an dieser Stelle ganz klar davon Abstand nehmen alle Türsteher über einen Kamm zu scheren. Es wird sicherlich auch in diesem Beruf nette und intelligente Leute geben und vielleicht habe ich sie bereits zu dutzende getroffen, da ich aber mit Türstehern selten rede ist es mir vielleicht nicht aufgefallen. Seis drum. Die Frage die sich hier wieder stellt ist, ob die Türsteher diese Art der Kontrolle durchführen können auch auch wollen? Oder lässt man da auch mal einen Kollegen aus alten Tagen durch ohne ihn zu kontrollieren???

Des weiteren,

„kommt es auf den Geist der Discobesitzer an, ob sie diese Meinung täglich vertreten wollen, ausstrahlen können und schließlich danach handeln. Das muss von den Türstehern bis zur Bardame reichen“, so Renz.“

Das mit den Türstehern haben wir ja im oberen Teil schon behandelt. Gehen wir jetzt über zu den Besitzern.
Also soweit ich weiss wohnt der Besitzer des Clubs Zirkuss in Münschen oder in Stuttgart. Das Zirkuss ist nämlich Teil einer Discokette mit einer Hand voll Discos. Dem dürfte das also relativ egal sein. Solange das Geld fliesst sollen die Betreiber/Geschäftsleiter machen was sie wollen. Verabschieden wird uns also mal von dem Begriff Besitzer und nehmen lieber den Begriff Betreiber im Sinne des verantwortlichen Geschäftsführers.

Diesen haben nun den Vetrag unterschrieben und sitzen am Samstagabend gemütlich in ihrem Büro in einem Hinterraum der Disco. Wenn überhaupt.
Laut dem Zeitungsartikel wurde den Betreibern verordnet, verstärkt darauf zu achten, dass an erkennbar Betrunkene kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird.
Ich habe schon gesehen, wie ein junger Mann von zwei Freunden an die Bar getragen wurde und selbst dort nicht alleine stehen konnte, da ihm die ganze Zeit die Beinen zusammengeklappt sind. Und er hat immer noch Alkohol bekommen. Wie viel betrunkener kann man denn noch sein. Ohne seine zwei Kollegen hätte er nicht mal mehr auf die Toilette laufen können geschweigeden an die Bar. Und der Bardame war es reichlich egal. „Drei Drinks kommen sofort“ – „Das macht 9 Euro“.

Meiner Meinung nach kümmert es die Bardame wenig bis gar nicht, ob ein Gast zuviel hat. Vielleicht mag das in einer oder mehreren der erwähnten Clubs zutreffen, in den meisten in den ich jemals Gast war, war es eben nicht so. „Ware gegen Geld“ war das einzige Motto. Sollen doch die Türsteher sich um den Rest kümmern.

Aber die Betreiber wollen sich ja jedes Vierteljahr treffen und beraten wie es weiter geht. Interessant wäre an dieser Stelle die Statistiken der betreffenden Lokal einzusehen. Beginnend ein Jahr vor dem Programm, dann während dem Programm und dann noch wieviele Personen gegenseitig gemeldet wurden und auch erwischt wurden. Erst dann kann man eine Aussage über den Erfolg des Programms treffen, aber ich vermute, so eine Statistik wird es kaum geben. Schade!

Ich für meine Teil halt des Programm für wenig oder gar nicht durchsetzbar und darum für reine Augenwischerei gegenüber der Öffentlichkeit.

Und nächste Woche widmen wir uns dem Thema: „30 km/h Tempolimit während der Nacht“ 😉

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