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Ist die Jugend von heute doch nicht so schlimm???

Jugendliche trinken weniger Alkohol als früher

diese Überschrift konnte man heute auf GMX lesen. Der Artikel verweist dabei auf die die dpa und führt weiter aus, dass

Auch wenn Meldungen über Koma-Saufen und Flatrate-Partys anderes vermuten lassen: Der Alkoholkonsum bei Jugendlichen liegt heute deutlich unter dem Gleichaltriger in den 1970er Jahren.

Sollten die Angaben stimmen, finde ich das eine interessante Tatsache. Denn genau diese Generation (Rechnung: 70er Jahre sind sie 20 Jahre alt dann sind sie heute ca. 55 Jahre oder älter) schreit heute am lautesten nach neuen Gesetzen zum Schutz der Jugend und malt sich schon mal den Weltuntergang aus, wenn die verzogene, verlotterte und versoffene Jugend von heute sich nicht bessert. Andauernd hört man wie schlimm die Jugend heute ist und wieviel immer getrunken wird. Ich will nicht leugnen, dass es Jugendliche und junge Erwachsene gibt, die beim Alkohol deutlich über die Strenge schlagen. Allerdings sollte sich jeder der heutigen Politiker, Ärzte, Eltern und sonstige “Menschenschützer” einmal selber an die Nase langen. Wenn der Artikel stimmt, dann müssen alle, die die letzten Jahre so grosse Töne gespuckt haben plötzlich ganz still sein.

Der Text führt weiter aus, dass sich mit zunehmendem Alter das Trinkverhalten das Trinkeverhalten der Jugendlichen ändert. Dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ganz klar wird man mit zunehmendem Alter reifer und vernünftiger. Man muss nicht jedes Wochenende besoffen sein.

Was mich bei der Diskussion aber immer stört, ist die, aus meiner Sicht total verschobene Grundansicht. Meiner Meinung ist das Trinken, oder auch Kampftrinken, mancher Jugendlicher und junger Erwachsener nur ein Symptom. Und zwar für ein Problem das tiefer sitzt. Und zwar das der (nicht passenden) Gesellschaft. Und damit meine ich nicht die Freunde und Kollegen.

Die Gesellschaft von heute, bietet den Jugendlichen nicht die Möglichkeiten, die sie brauchen um verantwortungsvolle und selbstsichere Charakteren auszubilden. Sicherlich gibt es heute ganz klar mehr Angebote seine Freizeit zu verbringen als früher. Hunderte von Vereinen werben um junge Mitglieder. Und manche folgen diesem Ruf auch. Aber was ist wenn man sich zuviel im Verein engagiert? Sofort gilt man als uncool unter den Gleichaltrigen. Aber warum? Meiner Meinung nach ist es die Gesellschaft, welche dem Individuum vorgibt wie es sich zu verhalten hat. Hierzu gehört auch sich um sich selbst zu kümmern. Diese Idee, als Selbstschutz oder Eigenverantwortung ok, wird aber ab absurdum geführt sobald es um ehrenamtliche Tätigkeiten geht. Jede “unbezahlte” Arbeit, die dem Individuum “nichts einbringt” wird als minderwertig deklassiert. Diese Einstellung wird unbewusst an die jüngere Generation weitergegeben. Die Jugend von heute hat indirekt gelernt, sich nur für das einzusetzen was auch etwas einbringt. Und Vereinsarbeit bringt nichts ein. Weder Geld noch Ansehen. Auch wenn jetzt hier einige Leser sagen werden: “Warum, ich bin in der Feuerwehr und ein geachtetes Mitglied in meiner Stadt.” Was auch ein gutes Argument ist. Aber warum sind es in jedem Verein immer die gleichen Leute, die etwas auf die Beine stellen. Warum sind Personen oft Mitglied in mehreren Verein. Es gäbe in jeder Stadt genug Leute die das übernehmen könnten. Aber die sitzen zu hause vor dem Fernseher und zeigen ihren Kindern, dass es besser ist sich um sich selbst zu kümmern als um andere. Denn nur so kommt man im Leben weiter. Die Schwachen und “Dummen” bleiben auf der Strecke. Und zu dehnen will man ja nicht gehören. Also geht man täglich in die blöde Firma und zu den langweiligen Arbeitsplatz. Erträgt täglich die ****** Kollegen und freut sich als junger Mensch ohne Familie nur auf eins: auf das Wochenende. Hier kann man den ganzen Scheiss, der sich während der Woche angestaut hat ganz einfach los werden. Man zieht mit seinen Kollegen um die Häuser und betrinkt sich bis man umfällt. Der Alkohol verlangt keine Sozialkompetenz oder einen ehrenamtlichen Einsatz – sondern nur Geld. Und das hat dank einer fünf Tage Woche in einem langweiligen Job ja angesammelt. Also weg damit. Endlich mal Dampf ablassen.

Es reicht einfach nicht den Jugendlichen ein paar Vereine vor die Füsse zu knallen und sie dann anzumaulen wenn sie anstatt dort mitzumachen lieber Saufen gehen. Man muss sie, wie Kunden einer Firma, dort abholen wo sie sind. Uns dazu gehört auch nicht nur mit dem Finger auf sie zu zeigen und Alkohol zu verbieten und teurer zu machen, sondern ihnen endlich mal ein Vorbild zu sein. Die ältere Generation kritisiert einen Zustand, den sie selber mit zu verantworten hat. Und um nicht die Schuld bei sich selber zu suchen, wird der Sündenbock Alkohol durchs Dorf getrieben. Und jeder, der früher wahrscheinlich genauso “gesoffen” hat, darf draufschlagen. Weil es viel leichter ist mit dem Fingern auf andere zu zeigen, als sich selber zu ändern.

Aber zu diesem Thema habe ich bereits andere Artikel geschrieben:

Artikel 1 Artikel 2

Und noch etwas:
Jeder redet immer über die eine Person, die sich ins Koma trinkt oder irgendwie negativ auffällt. Was ist mit den tausenden, die sich jeden Tag bzw. jedes Wochenende betrinken oder auch nur antrinken und dann ganz friedlich nach hause ins Bett gehen. Von denen redet niemand. Immer werden ein paar Beispiele herangezogen, die dann für die ganze Jugend stehen. Ich und meine Kollegen haben in unseren jungen Jahren auch Alkohol konsumiert. Von uns ist noch niemand auf der Polizeiwache oder im Krankenhaus gelandet. Alles ging immer in einigermassen gesitteten Bahnen. Mal abgesehen von kleinen Übelkeitsanfällen. Die wurden danach aber wieder beseitigt und alles war ok. Jahrelang waren wir unterwegs ohne einen grossen Zwischenfall. Davon redet niemand. Und das wird heute genauso sein. Immer sind es nur ein paar. Aber man kann eben nicht alle beschützen. So etwas nennt man Eigenverantwortung. Oder auch Verantwortung der Kollegen. Aber das schliesst sich der Kreis. Was bringt es einem schon auf einen Kollegen aufzupassen. Man bekommt kein Geld dafür, die Mädchen himmeln einen nicht an und das Bier trinken andere weg. Also lieber zurück auf die Party um Alkohol zu trinken und mit Mädels zu reden. Der Kollege der draussen im Schnee liegt ist ja nur ein Verlierer. Und zu den will man ja nicht gehören!

Quelle des Artikels [hier klicken!]

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