Wann ist eine SMS eine SMS

Warum WhatsApp, Pingchat und iMessage KEINE SMS sind. Ein Kommentar zur falschen Namensgebung.

Die SMS erfreut sich ungetrübter Beliebtheit. 41,3 Mrd. SMS wurden 2010 in Deutschland verschickt. Doch die Preise trüben die Freude. Immer noch verlangen Netzanbieter zwischen 6 und 29 Cent pro SMS. Bedenkt man, dass eine SMS nur die Netzkapazität von 1/1000 einer Telefonminute benötigt, wäre sogar Preise von einem Cent bereits Wucher.

Seit mehreren Jahren gibt es jedoch Abhilfe. Durch die steigende Anzahl an Smartphones mit Internetzugang besteht die Möglichkeit, Nachrichten von Smartphone zu Smartphone zu schicken, ohne dabei die teuren SMS-Preise zu bezahlen. Ganz zum Ärger der der Provider besteht so die Möglichkeit nicht nur Geld zu sparen, sondern fast die komplette Text-Kommunikation kostenlose zu erledigen.

Die steigende Anzahl an Nachrichten-Apps – auch Messenger Programme genannt – und Text-Nachrichten zieht natürlich eine steigende Anzahl an Blogeinträgen und Berichten nach sich. Auffallend ist dabei, dass bei 99 Prozent der Berichten diese Textnachrichten durchgehende SMS genannt werden.
Dies ist jedoch grundlegend falsch. Text-Nachrichten, welche sowohl vom Sender wie auch vom Empfänger über das Internet verschickt bzw. empfangen werden, sind per Definition keine SMS. Eine SMS ist laut Wikipedia:

Short Message Service (engl. für „Kurznachrichtendienst“, Abk. SMS) ist ein Telekommunikationsdienst zur Übertragung von Textnachrichten. Er wurde zuerst für den GSM-Mobilfunk entwickelt und ist nun in verschiedenen Ländern auch im Festnetz als Festnetz-SMS verfügbar.

Die Übermittlung wird also zumindest auf der Seite des Empfängers über das reguläre Handynetz (GSM) realisiert. Dies gilt auch für kostenlose bzw. werbefinanzierte Internet-SMS (über 40 SMS täglich verschicken auf www.going-wild.de). Auch hierbei erhält der Empfänger die SMS über das GSM Netz.
Die Unterschiede sind aber nicht nur die Übermittlung per GSM Netz. Auch die Funktionen und die Bedienung unterscheiden sich nicht.
Per Messenger lassen sich neben einfachen Texten auch vollständige Smileys und Dateien übertragen (ja nach Programm). Darüber hinaus verwenden einige Messenger die gleiche Protokoll (XMPP) wie z.B. der Jabber Messenger auf dem Computer.

Diese Messenger-Apps (WhatsApp, PingChat!, iMessenger usw.) sind also eher mit der E-Mail oder den bereits bekannten Messenger Diensten wie Jabber, ICQ oder MSN verwandt als mit der SMS.
Auch die Push-Funktion, welche eingehende Nachrichten sofort anzeigt, wurde zu Beginn durch die Push-Mail-Funktion bekannt und ist seit neuestem auch bei Jabber, ICQ und Co. erhältlich.

Das fehlen einer Betreffzeile, einer E-Mailadresse und die Push-Funktionen sind also keine Anzeichen dafür, dass es sich bei diesen Nachrichten um SMS handelt. Aus den genannten Gründen sollten diese Nachrichten nicht mehr als SMS bezeichnet werden, da sie das de facto nicht sind. Es sind lediglich „kastrierte“ E-Mails oder Instand Nachrichten, welche durch eine Push-Funktion, ähnlicher einer Push-Mail, direkt aufs Smartphone geschickt werden. Nicht mehr! Das Fehlen einer E-Mailadresse weisst lediglich darauf hin, dass alle Nachrichten auf dem gleichen Server gemanagt werden.

Auch das Faktum, dass die meisten Smartphones Messenger keine Anbindung an den Computer haben (Heywire macht da eine Ausnahme) kann nicht als Beweis für die SMS-Theorie genommen werden. Technisch wäre eine Anbindung an den Fest-Computer ohne Probleme möglich. Es werden seitens der Programmieren allerdings keine oder kaum Programm angeboten.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass diese Nachrichten trotz Erscheinungsbild und Konzentration auf den Smartphone Sektor keine SMS sind. Durch das Wegfallen der E-Mail Adresse im Vergleich zur Push-Mail und die Verwendung der Push-Funktion im Vergleich zu manch anderen Messenger, dürften die Nachrichten wohl irgendwo zwischen E-Mail und Instand Messaging liegen. Da aber wie bereits erwähnt die meisten Instand Messenger wie Jabber, ICQ und Co. auch immer mehr auf die Push-Funktion aufspringen, dürfte sich auch hier der Abstand deutlich verringern.

Kleiner Zusatz:
Eigentlich sind laut AGB der meisten Mobilfunkanbieter Instand Messenger verboten, da sie direkt die SMS angreifen. Eine Nutzung kann zu Schadensersatzforderungen oder der Vertragskündigung führen. Wie die Telekom jetzt jedoch auf Twitter mitteilte, wird es für iMessage keine Einschränkungen geben. Was natürlich Sinn macht, da man sich das Geschäft mit den iPhones nicht verderben will.
Was in diesem Bericht komplett weggelassen wurde ist die Fragen nach dem Datenschutz. Teilweise verlangen einige Messenger komplette Leserechte im Telefonbuch. Alle privaten und geschäftlichen Kontakte werden dann auf den Server ins Ausland kopiert, was unter anderem datenrechtliche Probleme mit sich bringen kann.

UPDATE 11.6.2011:
Auf Nachfrage ob nun auch alle anderen IM-Messenger bei der Telekom erlaubt sind, hat diese folgendes zurückgeschrieben:

Auch andere Messenger werden mit iOS 5 weiterhin so funktionieren wie bisher. 🙂

Vermutlich wird nun, um die Apple Kunden nicht zu vergraulen und um auch nicht mit zwei unterschiedlichen Maßbändern zu messen, IM offiziell per AGB untersagt bleiben, es wird vermutlich jedoch nicht zu Einschränkungen oder rechtlichen Forderungen seitens der Telekom kommen. Es wäre recht schwer zu erklären, warum IM mit dem iPhone erlaubt ist, mit anderen Smartphones jedoch verboten bleibt.

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Spiegel.de
bitterlemmer.net
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