Der Impact-Start: Wenn der Kragen platzt
„Die machen ihre Arbeit nicht, meckern rum, und wir lassen massiv Geld am Markt liegen. Und wenn ich sauer werde, bin ich toxisch. Ich habe es so satt!“
So oder so ähnlich hören sich viele Teamleiter oder auch Geschäftsführer an. Der Frust ist greifbar, die Verzweiflung real. Was viele Entscheider denken, aber selten aussprechen, platzt irgendwann heraus (spätestens nach ein paar Gläsern Wein/Bier). Doch die harte Wahrheit als erfahrener Kapitän auf der Brücke lautet: Jedes Team ist das Spiegelbild der eigenen Führung – es ist hart, aber deal with it. Ich musste es auch lernen.
Wenn (Extrem) Ownership fehlt, Prozesse im Chaos versinken und Teams eher gegeneinander als miteinander arbeiten, dann haben wir es fast nie mit einem „People Problem“ zu tun. Es ist ein Systemproblem.
Wahre Führung – Real Leadership – bedeutet, den Kreislauf aus Reaktivität und Frust zu durchbrechen. John C. Maxwell sagte passend: „A leader is one who knows the way, goes the way, and shows the way.“ Oder wie Jean-Paul Belmondo in einem alten Abenteuerfilm flapsig sagte: “Bei der Arbeit, beim Spaß und bei der Gefahr immer an erster Stelle.“ Lassen Sie uns diesen Weg aus der Krise in die Wertschöpfung gemeinsam gehen.
1. Den Weg kennen: Vom Verwalter zum strategischen Architekten
Viele Führungskräfte verwechseln Verwaltung mit Führung. Sie lesen Reports und machen Termine, aber sie kennen den Weg nicht.
- Die Vision als Navigationssystem: Wer den Weg nicht kennt, kann keine Orientierung geben. Ohne klare Richtung entsteht Mittelmaß und „Dienst nach Vorschrift“. Schlimm wird es natürlich, wenn es gar keine Vision gibt. Aber das ist eine andere Geschichte.
- Strategisches Generalistentum: Als Leader müssen Sie die Architektur Ihres Unternehmens verstehen. Es geht darum, die „Dots zu connecten“. Wenn Marketing, Vertrieb und IT isolierte Inseln sind, versinkt die Energie in den Reibungsverlusten der Silos.
- Wissen, was zählt: Fachwissen ist die Basis, aber das Verständnis für das System ist der Hebel. Wissen Sie wirklich, wo Sie Geld liegen lassen? Oder verwalten Sie nur den Status Quo?
- Menschen lieben: Man kann keiner guter Leader (ich mag das Wort (An-)Führer nicht so gern) sein, wenn man keine Menschen mag. Jeder Leader (ob mit Titel oder ohne) trägt Verantwortung für Menschen.
2. Den Weg gehen: Integrität und die radikale Ehrlichkeit
Führung durch Vorbild bedeutet, die Haltung einzunehmen, die man vom Team erwartet. Wer „Go“ ruft, aber „Stop“ vorlebt, verliert seine Integrität.
Die unbequemen Fragen
„Den Weg gehen“ heißt auch, mutige Entscheidungen zu treffen und Konflikte auszuhalten. Fragen Sie sich radikal ehrlich:
- Würde ich diese Person heute noch einmal einstellen? Oft stellen wir nach CVs ein, statt nach Haltung. Kompetenz ohne Soft Skills ist in einem integrierten System wertlos.
- Was habe ich selbst dazu beigetragen? Führung bedeutet Eigenverantwortung. Wer das System zugelassen hat, muss es auch ändern wollen.
- Was habe ich selbst blockiert? Führung bedeutet auch Selbstreflexion – ehrliche Selbstreflexion.
- Würde ich mich selbst einstellen? Oder alternativ: Würde ich ein Teammitglied mit meiner Leistung sanktionieren? Führung bedeutet auch radikale Ehrlichkeit. Wie oft habe ich es erlebt, dass Teamleiter oder Geschäftsführer Fehler gemacht haben, für die jedes Teammitglied sanktioniert worden wäre? Und wenn Sie jetzt antworten, dass ein/e Vorgesetzte/r eben andere Rechte und Freiheiten hat, dann fangen Sie noch einmal bei Frage 1 an zu lesen.
Integrität in der Praxis
Echtes Leadership zeigt sich dort, wo es wehtut: Im Feedback. Was nicht funktioniert, darf nicht totgeschwiegen werden. Wahre Integrität bedeutet, Klarheit zu schaffen – auch wenn es unbequem ist – auch für den Leader selbst. Nur wer tut, was er sagt, gewinnt das Vertrauen zurück, das für echtes Herzblut (was nichts anderes wie Ownership heißt) im Team nötig ist.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Der Satz „Echtes Leadership zeigt sich dort, wo es wehtut“ ist durchaus zutreffend. Dennoch sollte das Ziel von guter Führung darin bestehen, Situationen gar nicht erst so weit eskalieren zu lassen, dass Schmerz oder Härte erforderlich werden. Leadership wird häufig mit Durchhaltevermögen und Kampfgeist gleichgesetzt, doch wahre Führungsstärke zeigt sich darin, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und proaktiv zu handeln, um Eskalationen zu vermeiden. Natürlich gibt es Momente, in denen ein Leader kämpfen muss – das gehört zweifellos dazu, um nicht an Wirkungskraft zu verlieren. Die wahre Kunst liegt jedoch darin, solche Situationen durch vorausschauendes Handeln zu minimieren. Ich möchte hier keine Kriegsmetaphern bemühen, da ich solche Vergleiche im Kontext von Leadership und Marketing für unpassend halte. Dennoch bleibt eines klar: Wenn es darauf ankommt, müssen Führungspersönlichkeiten bereit sein, den schwierigen Weg zu gehen. Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.
3. Den Weg zeigen: Mentorship und die Kunst der Orchestrierung
Einfluss entsteht nicht durch Autorität (oder im Worst Case durch toxisches Verhalten), sondern durch Respekt und die Befähigung anderer. Ein Leader zeigt den Weg, indem er Menschen entwickelt – oder sich konsequent trennt.
- Silo-Stopper statt Hierarchie-Reiter: Brechen Sie die Mauern zwischen den Abteilungen auf. Zeigen Sie Ihrem Team, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit funktioniert.
- Rollen und Ziele neu ausrichten: Klarheit hilft allen. Wenn jeder weiß, wofür er verantwortlich ist, entsteht Raum für Eigeninitiative und Drive.
- Mentorship mit Herzblut: Investieren Sie in die Entwicklung Ihrer Leute. Machen Sie aus Verwaltern Mitgestalter. Aber erkennen Sie auch: Nicht jeder ist falsch, manche sind einfach nur im falschen System.
- Software: Der oft zitierte Spruch „A fool with a tool is still a fool“ greift aus meiner Sicht zu kurz. Die Praxis zeigt, dass Softwaresysteme – seien es To-do-Listen, Chat-Plattformen oder andere Anwendungen – essenzielle Werkzeuge sind, um Mentorship, klare Rollen und Ziele sowie die Überwindung von Silostrukturen effektiv umzusetzen. Sie dienen als zentrale Instrumente, um theoretische Konzepte in die Praxis zu übertragen (Operationalisierung). Ein Chat-System, das alle Mitglieder und Abteilungen miteinander verbindet, trägt maßgeblich dazu bei, Silos aufzubrechen. Ebenso schafft eine Software, die Transparenz über Rollen und Ziele bietet, die Grundlage für eine strukturierte Zusammenarbeit. Ferner ermöglichen solche Systeme eine effiziente Kommunikation mit Mentoren (bzw. Protegés) und eine gezielte Steuerung von Aufgaben. Aus diesen Gründen betrachte ich Softwarelösungen als einen entscheidenden (operativen) Erfolgsfaktor.
Fazit: Die Transformation beginnt bei Ihnen
Ein erfolgreicher Leader kennt den Weg, geht ihn entschlossen voran und nimmt sein Team mit. Führung ist kein Ziel, das man einmal erreicht, sondern ein fortlaufender Prozess der Orchestrierung. Aber es ist noch mehr. Simon Sinek sagt: „Leadership is not about being in charge; it’s about taking care of those in your charge“. Simon Sineks berühmtes Zitat „Bei Führung geht es nicht darum, das Sagen zu haben, sondern sich um die zu kümmern, für die man verantwortlich ist“ betont dabei, dass es bei wahrer Führung um Dienst, Verantwortung und die Schaffung eines Umfelds geht, in dem Menschen sich entfalten können, und nicht darum, Autorität auszuüben oder sich auf persönliche Macht zu konzentrieren. Effektive Führungskräfte legen Wert auf das Wohlergehen, die Entwicklung und die Sicherheit ihres Teams, fördern Vertrauen und befähigen ihre Mitarbeiter zum Erfolg, sodass deren Erfolg ein Spiegelbild der Fähigkeit der Führungskraft ist, andere zu unterstützen. Und so abgedroschen das Zitat von Simon Sinek auch klingen mag, es trifft den Kern der Sache. Als Führungskraft trägt man eine weitreichende Verantwortung, die weit über Zahlen, Aufgaben, Kunden oder das Unternehmen hinausgeht: Es geht um die Verantwortung gegenüber den Menschen. Und genau hier schließt sich der Kreis zu einem zentralen Punkt: Man kann keine echte Führungskraft sein, ohne eine aufrichtige Wertschätzung für Menschen zu empfinden.
Wer jedoch Zahlen oder Ergebnisse über die Verantwortung für Menschen stellt, läuft Gefahr, Führung mit Härte zu verwechseln. Dabei geht es nicht um naive Sozialromantik, sondern um einen klaren moralischen Kompass und die Fähigkeit, für andere da zu sein. Studien belegen immer wieder, dass ein Arbeitsumfeld, das Sicherheit, Zusammenarbeit und Menschlichkeit fördert, langfristig erfolgreicher und profitabler ist als eines, das Menschen lediglich als Ressourcen betrachtet. Echtes Leadership – oft auch als Servant Leadership bezeichnet – ist nicht nur menschlicher, sondern auch wirtschaftlich nachhaltiger als ein autoritärer Führungsstil.
Wenn Ihr aktuelles System also nur Frust und Reaktivität (und damit zu einem gewissen Grad auch finanziellen Schaden) erzeugt, ist es Zeit für einen Neustart. Hören Sie auf, Chaos zu skalieren. Fangen Sie an, Führung neu zu denken – menschlich, strategisch und unerschütterlich pragmatisch.
FAQs zu Real Leadership
Absolut. Es erfordert jedoch die Bereitschaft zur Selbstreflexion und die Entwicklung vom Fachspezialisten zum strategischen Generalisten.
Meist fehlt es an Klarheit in den Rollen und an einer Führung, die bereit ist, echte (eigene) Konsequenzen aus Fehlentwicklungen zu ziehen.
Kultur ist das Betriebssystem Ihres Unternehmens. Wenn die „Haltung“ nicht zur Vision passt, wird jede Strategie scheitern.
Radikale Ehrlichkeit. Analysieren Sie, was Sie selbst zum aktuellen Zustand beigetragen haben, und definieren Sie die Rollen in Ihrem System neu.
Im Deutschen wird der Begriff "Servant" häufig missverstanden und mit unterwürfigem Dienen gleichgesetzt. Dabei geht es vielmehr darum, Menschen zu unterstützen, sie zu befähigen und zu stärken. Als Führungskraft steht im Mittelpunkt, für das Team da zu sein, optimale Rahmenbedingungen zu schaffen und sicherzustellen, dass die Mitarbeitenden ihre Aufgaben erfolgreich erfüllen können, sich wertgeschätzt fühlen und in einem sicheren Umfeld arbeiten.




