Journalismus ist Feuer, Mut und Leidenschaft

Der Journalismus steckt in einer Sinn- und auch in einer Wirtschaftskrise. Die Leute kaufen weniger Zeitungen und lesen mehr online. Das Onlinegeschäft schafft es aber nur in wenigen Fällen die kompletten Kosten der Recherche und der täglichen Arbeit zu erwirtschaften. Und das obwohl der Alltag vieler Online-Journalisten aus dem – relativ günstigen – Umschreiben von dpa-Meldungen und dem Verwalten von Content besteht. Richtig “raus auf die Straße” gehen nur noch wenige. Gleichzeitig sinken die Löhne immer weiter und das in einer Branche, die im Vergleich zur “freien Wirtschaft” oder der PR noch nie für wirklich üppige Löhne bekannt war. Der (freie) Journalist von heute verkauft seine Artikel doppelt und dreifach an verschiedene Medien oder muss genug Feuer in sich tragen, um auch die Wintermonate in der Redaktion ohne Heizung auskommen zu können.

Meine Gegendarstellung zu den Artikel von Markus Knaus, Karsten LohmeyerBenjamin Hartwich und Martin Wiens zum Thema Journalismus, Digital Natives und Nachwuchsjournalisten.

Der Journalismus ist rein materiell gesehen eine undankbare Branche. Wie wir da wieder rauskommen kann ich an dieser Stelle nicht sagen und wird sich vermutlich erst in Zukunft zeigen. Die Websites mit Werbung “zuklatschen” kann auch keine Lösung sein. In Zeiten der Werbeblocker wird daraus ein Boomerang. Es bleibt nur der Weg des – Achtung jetzt kommt ein Buzz-Wort – guten Contents. Genau wie bei Unternehmen muss die Seite einer Zeitung das Headquarter und Social Media als Satelliten die Traffic-Lieferanten, Recherchekanäle und Kommunikationskanäle mit den Lesern und “Informanten” sein. Und genau hier kommt der (Journalismus)Nachwuchs ins Spiel. Karsten Lohmeyer hat auf lousypennies.com (Ich dachte, diese Jungjournalisten wären Digital Natives. Doch es war nur ein Märchen… ) zu Recht seine Verwunderung ausgedrückt, warum Journalismus-Schüler von heute kaum Facebook, Xing und Co. für ihre Zukunft und ihre Eigenreputation nutzen. Als Dozent und als Mensch der sich sehr stark mit der Materie beschäftigt eine absolut verständliche Frage. Verwundert war ich persönlich auch über die Gegenreaktion von Benjamin Hartwich und Martin Wiens und wie Markus Knaus muss auch ich fragen: “What? Ernsthaft jetzt?”

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Hier die einzelnen Punkte, die mir aufgestoßen sind:
Wichtig ist zu erwähnen, dass die Kritik natürlich nicht persönlich ist, sondern dass es um die Inhalte geht.

1. Digital native & digital immigrants vs. digital visitors & digital residents:

Dennoch vereinfacht das „Du bist Digital Native und musst deshalb tonnenweise Social-Media-Kompetenz haben“-Geschreibe den Komplex vielleicht ein wenig. (Martin Wiens)

Natürlich wäre es falsch zu sagen, dass nur weil man ab einem gewissen Jahr geboren ist, man Facebook und Co. mit der Muttermilch aufgesaugt haben und diese Werkzeuge bis ins FF beherrschen muss. Was auch aus meiner Sicht damit zu tun hat, dass die Ausdrücke “digital native” und “digtal immigrants” schlicht und einfach ungenau sind. Hier werden allein auf Grund des Alters respektive des Jahrgangs den Personen gewisse Eigenschaft nachgesagt, ohne dabei auf Interessen und Lebenssituationen zu schauen. Ich gehöre hier eher zur Peter Kruse Fraktion, welche die Internetnutzer in “Digitale Besucher” (digital visitors) und “Digitale Einwohner” (digital residents) unterteilt – unabhängig vom Alter. Während die einen nur ab und an zu Besuch vorbeikommen, leben und arbeiten die anderen im Internet und befassen sich mehr oder weniger intensiv mit der Materie und den Entwicklungen. Facebook und Co. kann man, zumindest die technischen Aspekte, lernen und sich darin einarbeiten.

2. Nutzung heute und morgen – nichts ist in Stein gemeißelt:

Gerade weil wir mit sozialen Netzwerken erwachsen geworden sind, fällt es uns schwer Facebook, Twitter und Co. professionell zu nutzen. Für uns waren und sind diese Plattformen vor allem eines: SOZIAL. Das bedeutet, dass unsere präpubertäre Timeline voll ist mit Duckface-Selfies, Porzellantellern und herzzerreißenden Geschichten von heftig.co. Und im Messenger schreiben wir Krams, den wir uns draußen niemals trauen würden, zu sagen. Dafür – so haben wir es gelernt – sind Facebook und Co. schließlich da. […] Habitualisierte Nutzungsgewohnheiten und ein jahrelang entwickeltes Selbstverständnis der Funktion sozialer Netzwerke machen es schwierig diese von heute auf morgen plötzlich strategisch zu nutzen. (Martin Wiens)

Da stellt sich jetzt die Frage, ob Martin Wiens sich nicht selbst widerspricht. Zum einen sind soziale Netzwerke für die private Nutzung da, zum anderen fällt es schwer seine Gewohnheiten zu ändern?! Sind soziale Netzwerke nun für private Nutzung oder kann man die Nutzung doch ändern? Egal: Ersten ist es nie zu spät sich und seine Gewohnheiten zu ändern, zweitens gibt es noch genügend andere (beruflich orientierte) Netzwerke und drittens verändert sich die Nutzung sowieso ständig. Hier zu sagen, “so haben wir es gelernt, also ändern wir es nicht” ist für einen Journalisten und studierten Menschen fast schon unwürdig – vor allem in Zeiten in denen Social Media in fast alle beruflichen Bereich Einzug hält. Und wer auf Facebook nur mit privaten Personen befreundet sein will, der hat immer noch Google Plus, Twitter, Xing, Linkedin und und und. Gerade Google Plus mit den Snippets und dem Autorenbild in der Google Suche bietet sich ja hierfür ideal an. Das weiss man aber nur, wenn man ständig am Ball bleibt und sich laufend mit der Materie beschäftigt.

3. Professionell soll unprofessionell sein?:

Im so genannten professionellen Umgang mit sozialen Medien ist der Entdeckergeist ein großer Vorteil. Denn diese für Selbstvermarktung und Reichweitengenerierung zu nutzen, ist aus Digital-Native-Perspektive zunächst zweckentfremdend – und damit eigentlich unprofessionell. (Martin Wiens)

Der erste Satz verwirrt mich dann schon. Zusammengefasst sagt Martin Wiens, dass der professionelle Umgang eigentlich unprofessionell ist. Ehrlich gesagt verstehe ich das nicht. Muss ich aber auch nicht, denn wo steht geschrieben, dass soziale Medien für das gemacht wurden, für was wir sie heute nutzen. Kam irgendwann Mark Zuckerberg vorbei und definierte die Nutzung von Facebook für alle Zeiten als unumstößlich? Werfen nicht kreative Social Media Manger ständig die Anwendungsmöglichkeiten von Social Media über den Haufen und erfinden sie neu? Das Werkzeug muss den Zielen angepasst werden und nicht anders herum. Ausserdem ist das Facebook-Profil medien-psychologisch betrachtet bereits ein Selbstvermarktungswerkzeug. Auch wenn wir Inhalte nur privat teilen und Fotos von uns und unsere Haustieren posten, ist das bewusst oder unbewusst ein Imageaufbau. Indem wie steuern was wir posten, verfolgen wir auch unbewusste Ziele uns in einem bestimmten Licht darzustellen.

4. Ab wann ist man Journalist und ab wann kann man “loslegen”?:

Um soziale Netzwerke aus journalistischer Perspektive richtig zu nutzen, müssen Jungjournalisten zunächst einmal Journalisten werden dürfen. Gute Journalisten. Dann laufen sie auch nicht Gefahr, (ausschließlich) reichweitengeile Klickjournalisten zu werden, bei denen die Überschrift mehr Inhalt hat als der Text. (Martin Wiens)

Das klassische Henne-Ei-Problem. Was war zuerst da? Das soziale Netzwerk oder der gute Journalist? Aber eigentlich spielt es keine Rolle und darum geht es im Artikel von Karsten Lohmeyer. Es geht darum heute anzufangen ein guter Journalist zu sein oder an sich selbst zumindest diese Anforderung zu stellen. Nicht erst am Tag der Diplomverleihung. Denn ein guter Journalist ist man, weil man es sein will und nicht an einem bestimmten Stichtag wie der Diplomfeier, dem 10jährigen Firmenjubiläum oder ab der Chef-Etage. Man ist dann ein Journalist, wenn man journalistisch arbeitet. Das “gut” kommt in kleinen Schritten von Tag zu Tag. Dann läuft man auch nicht Gefahr Klickjournalismus zu betreiben. Ein Student, der ein guter Journalist sein will, stellt an sich ganz andere Anforderungen als Klicks. Das Feuer, welches ihm oder ihr innewohnt verhindert in einem Großteil der Fälle Titel wie bei heftig.co. Aber dies ist ein Prozess, der von innen kommt. Und zwar ab heute und nicht erst ab der Diplomfeier. Und noch ein kleiner Einwurf. Um Klickjournalismus zu betrieben, muss man entweder auf Facebook oder auf der Website erstmal die Klicks zählen können. Hierfür muss man technisches Wissen aufbauen.

5. Wer nicht auf Google ist existiert nicht – zumindest in der Medienbranche:

Jeder sollte selbst bestimmen, was der potenzielle Arbeitgeber über ihn findet bei der Google-Namenssuche. Meiner Meinung nach darf das aber auch ruhig wenig bis gar nichts sein. (Martin Wiens)

Stellt sich an dieser Stelle nur die Frage, welcher zukünftige Arbeitgeber darauf achtet, was der Bewerber online bereits geleistet hat? Wenn ich eine “Online-Stelle” besetzen müsste und der Bewerber hätte nichts im Internet veröffentlicht und/oder keinen aktiven Twitter-Account würde ich mir die Frage stelle, ob die Online-Qualitäten dieser Person für die Stelle ausreichen. Das Sprichwort “Traue nie einem kahlköpfigen Friseur” könnte man auch umschreiben in “Traue nie einem Twitter-losen Online-Bewerber”. Was auf den ersten Blick hart klingt, ist einfach ein Ausdruck, in wie weit sich ein Bewerber nicht nur informiert hat, sondern auch über die gängigen Techniken Bescheid weiß, die für eine Stelle in der Medienbranche wichtig sind. Niemand würde eine Bewerbung heute noch von Hand schreiben. Computer-Kenntnisse und die Fähigkeit ein Telefon zu bedienen sind Grundvoraussetzungen. Und wenn ich KFZ-Mechaniker sein möchte, sollte ich auch eine Führerschein besitzen. Eine kleine Hobbywerkstatt wäre zudem noch ein Bonuspunkt der zeigt, dass ich mich auch NEBEN dem Beruf in meinem Bereich “fit” halte. Genau so verhält es sich mit Menschen, die “etwas mit Medien” machen möchten. Egal ob Journalismus, PR oder in der Wirtschaft. Wer denkt er könnte am Tag seiner Einstellung einen Twitter-Account anlegen kommt einfach zu spät. Mal davon abgesehen, dass man dann vermutlich bei jedem Jobwechsel einen neuen Account anlegen müsste usw.
Lassen wir auch mal an dieser Stelle bei Seite, dass eine eigene Website oder ein Blog dann auch SEO-technisch gepflegt werden muss, was auch wieder Erfahrung für den neuen Job bringt. Ohne SEO (und Content-Marketing) geht heute nichts mehr!
Und leider kann man nur bedingt entscheiden, was Google über einen findet. Was man aber machen kann ist Google selber soviel Futter in Form von Beiträgen zu geben, dass diese und nicht die negativen Einträge angezeigt werden.

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6. Vernetzung, Follower und Fanzahlen:

Karsten Lohmeyer schreibt in seinem Blogeintrag:
„DANK MEINER PRÄSENZ MIT DIESEM BLOG UND DEN SOZIALEN MEDIEN MUSSTE ICH DEN WENIGSTEN ERKLÄREN, WER ICH EIGENTLICH BIN.“
Genau da liegt unser Unterschied. Jungjournalisten müssen sich erklären, wenn sie sich vernetzen wollen. Und das ist in sozialen Netzwerken gar nicht so einfach. Denn da sieht keiner mein kommunikatives Grinsen im Gesicht. (Martin Wiens)

Ich glaube hier mischen sich viele Punkte, die ich mal versuche aufzuzwirbeln. Eine mediale Präsenz kann ein Türöffner sein, muss sie aber nicht. Gerade wenn der zukünftige Chef sich NICHT die Mühe macht, die angegebene Website (oder Blog) zu besuchen. Mehr als in die Bewerbung schreiben kann man diese eben nicht. Ich persönlich bin durch meinen Blog minimal bekannt geworden und wurde bereits zu Messen und Vorträgen eingeladen. Und durch mein Foto wurde ich auch bereits an Tür direkt mit Namen begrüßt. Ich gebe zu, dass das dem Ego sehr schmeichelt. Und auch bei meinem ersten Job bzw. der Bewerbung war mein Blog nicht unbedeutend. Wer mich auf Google sucht, sieht dank SEO meine Website unter den ersten fünf Treffern. Somit kann ich direkt lenken, was die Menschen von mir sehen. Und dann ist das “kommunikative Grinsen” im Gesicht auch zweitrangig, denn dann sprechen meine (hoffentlich guten) Blogbeiträge und meine Diskussionen für sich bzw für mich. Wer natürlich ohne Kommentar und vor allem ohne öffentliche Beiträge wildfremde Menschen anschreibt, muss sich nicht wundern, wenn diese um Erklärung bittet. Also erstes Content erstellen, der zeigt für was ihr steht und dann Kontakte knüpfen. Aber hier schliesst sich der Kreis von oben wieder. Wer heute anfängt Journalist zu sein (z.B. Blogger) muss sich morgen nicht mehr erklären, wer aber denkt, er fängt erst an mit Laufen, wenn er genug Kontakte hat, muss sich nicht wundern, wenn diese etwas zögerlich reagieren. Netzwerken ist eine Tätigkeit, die für beide Seite Mehrwert schaffen soll. Das reine “Kontakte sammeln” ist sinnfrei. Darum sind auch die Zahlen nur bedingt wichtig.
Last but nor least wird hier der gleiche Fehler gemacht, den viele Unternehmen machen. Es wird rein auf die Follower, Fanzahl oder Freundesliste geschaut. Dies zeigt sich dann natürlich auch wieder beim Satz:

In manchen Ausschreibungen sollen Arbeitgeber außerdem tatsächlich einen Klout-Score von mindestens 50 fordern. (Martin Wiens)

der natürlich völliger Unsinn ist bzw. dass ein Unternehmen so etwas verlangt ist Unsinn. Man sollte wissen was Klout ist und man sollte wissen was ein Klout-Score ist. Das ist Bildung in und für “meinen” Arbeitsbereich wie Formeln in Excel eingeben und Seiten mit Impressum bei Facebook anzulegen.

Ich geben zu, dass ich Facebook damals im Vergleich zu anderen Komilitonen sehr spät für mich entdeckt habe. Ich fand kein Gefallen und den privaten Geschichten meiner Freunde. Heute nutze ich Facebook aber als eine Art Zeitung. Meine Freunde sind für die “Witze-Seite” zuständig, meine “beruflichen” Kontakte für das Wissen und die Unternehmensseiten für Werbung und Produktinformationen. Gleichzeitig ist es einer meiner Kanäle für mehr Reichweite und meine Eigenreputation.

Ich habe über die Jahre hinweg Neues gelernt, meine Gewohnheiten geändert und die Nutzung den technischen und beruflichen Änderungen angepasst. Genauso wie auf meinem Blog. Ging es zuerst um private Geschichten während meinem Studium im Ausland, geht es heute um Journalismus, Kommunikation und Social Media. Ständige Veränderung ist die einzige Konstante. Ziele und Wege werden neu definiert und bei Bedarf angepasst.

Wichtig ist aber, dass ich sowohl mit meinem aktuellen Blog bzw. dessen Vorgängern noch während meinem Studium angefangen habe. Auch Twitter und Facebook habe ich noch weit vor meiner Diplomfeier angefangen aktiv zu nutzen. Zwar bluten mir auch heute noch die Augen, wenn ich meine Google Analytics Werte betrachte, aber das ist mir egal. Denn im schlimmsten Fall sind es Fingerübungen für den Job. Ich investiere Zeit und auch Geld (Serverkosten, Reisen, Eintritte usw.) in meine Zukunft und meine Ausbildung. Aber das wichtigste ist, dass es Spaß macht und ich es gerne mache. Weil ich mir bereits als Student gesagt habe, dass ich ein guter Journalist werden will und heute damit anfange. Und wenn keine Zeitung meine Berichte drucken will, dann blogge ich halt. Der Artikel von Martin Wiens liest sich, als ob die Journalismus-Studenten auf irgendeinen “Startschuss” oder ein finales “GO” warten? Wenn aber das journalistische Feuer wie ein Gasbrenner erst nach der Diplomfeier angeschaltet wird, wird es wohl nur ein zartes Flämmchen bleiben. Ein leidenschaftliches Feuer sieht anders aus.

7. Keine Böcke? Dann wechsel den Beruf:
Aber auch der Beitrag von Benjamin Hartwich hat mich etwas verwundert.

Auf der anderen Seite erlebe ich Kulturwissenschaftler und Informatiker, die Blogs starten, Instagram erobern und schlicht ihre Rolle als Player im Digital wahrnehmen – ganz unabhängig von jeglicher journalistischer Aktivität. Und das sicherlich auch nicht, weil sie so tolle Programmierer sind oder mehr von Medien verstehen als jeder andere Durchschnittsstudent. Sie haben einfach Bock drauf – it´s just a click (Bejamin Hartwich)

Da stelle ich mir die Frage, warum auf den ersten Blick fachfremde Menschen wie Informatiker mehr “Bock” haben zu schreiben als Journalisten? Hat euch jemand mit Waffengewalt in die Journalismus-Vorlesung gezwungen? Habt ihr bei der Vorlesungstombola in den falschen Hut gegriffen? Wenn ihr Journalisten sein wollt, dann freut euch auf das Schreiben, Filmen oder Schneiden aber vor allem freut euch auf das Geschichtenerzählen, das Aufklären und das Informieren.

8. Kaum Jobs mit Freiraum:

Wir haben Ideen und Potentiale, aber nicht die Macht. (Bejamin Hartwich)

Ja, es ist alles andere als einfach. Medienhäuser, Unternehmen, PR- und Werbeagenturen suchen nach 25jährigen, unabhängigen, kreativen, stressresistenten Menschen, die neben texten, programmieren, designen, verkaufen, präsentieren auch noch 14-Stunden-Schichten ohne zu klagen runter reißen und das Ganze für 2,50 Euro die Stunden und natürlich auch am Wochenende. Und dann auch noch dankbar für die Chance sind. Eine Familie lässt sich damit nicht ernähren. Die Stellenausschreibungen sind manchmal blanker Hohn. Wenn man für eine unbezahltes Praktikum fließend englisch können, mehrere Jahre Berufserfahrung und guten Umgang mit Social Media haben muss, hört für mich der Spaß auf (kein Witz, ich habe diese Stellenausschreibung gesehen). Wenn wir “Jungen” dann einmal doch die Möglichkeit auf einen Job bekommen, werden wir oft klein gehalten oder müssen uns in die interne Firmenstruktur einfügen. Rebellieren wir, bekommen wir von den alten Hase, die um Ihre Stellen fürchten eins drauf. Nichts mit kreativer Power! Jeder Tweet muss vom Chef und dem Chef-Chef abgesegnet werden. Und natürlich dauert der Freigabeprozess 14 Tage. Alles schon dagewesen. Dennoch sind das Problem der beruflichen Zukunft und keine Ausrede heute nicht anzufangen sich in die Tiefen die Online-Journalismus und dessen Möglichkeiten inkl. Social Media einzugraben. Denn dann kann man sich auch später einen neuen/anderen Job suchen. Die Arbeitgeber, die euch die Chance geben euch aus zu toben, sind dort draußen irgendwo. Wenn ihr dann mit dem selbsterlernten Wissen punkten könnt, steigen eure Chance auf den Job. Ich habe damals an der Uni auch kein SEO, kein Social Media und keine Eigenreputation als Fach gehabt. Auch HTML wäre vielleicht nicht schlecht gewesen. Mein Journalismus-Prof wollte unsere Arbeiten ausgedruckt oder als Fax. Dennoch habe ich mich langsam in das Online-Thema eingearbeitet, habe Artikel gelesen, ausprobiert und mich mit Experten der Branche vernetzt. Alles in meiner Freizeit und auf eigene Kosten! Weil ich Bock dazu hatte.

Also geht raus. Seid Journalisten. Geht zu Pressekonferenzen, Messen, Veranstaltungen und berichtet darüber. Nehmt eure Smartphones und macht Videofilme, Podcasts und Interviews. Sucht euch Themen, die euch begeistern und berichtet darüber. Eröffnet Diskussion über die Zukunft des Journalismus über den Sinn und Unsinn von Social Media und ob Gratis-Kaffee ein Muss im Büro ist. Aber vor allem entfacht das Feuer und den Willen eure Leser, Zuhörer und Zuschauer gut zu informieren, dann werdet ihr auch gute Journalisten und dann müsste ihr auch nicht fragen und warten bis ihr gute Journalisten sein dürft.

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Ralf Bachmann

Aktuell: Content Marketing & PR Manager

Ausgebildeter Journalist, PR-Berater & Projektmanager mit Faible Content-Marketing, Social Media, Unternehmenskommunikation, Digitalisierung, Collaboration-Tools und alles rund um “Web 2.0”.

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4 thoughts to “Journalismus ist Feuer, Mut und Leidenschaft”

  1. Schön, eine andere Perspektive zu lesen und wie ich schon einem anderen Blogger erklärt habe: Es war der Versuch einer Analyse, warum es so sein könnte. Dass man selbst den Hintern hochkriegen muss, ist mir durchaus klar, aber ich habe das Gefühl, dass vielen Leuten in der Wirtschaft nicht mehr klar ist, welcher Nachwuchs da eigentlich kommt und das nicht nur im Medienbereich so.

    Das Phänomen, dass die Motivation sehr gering ist, durchzieht auch andere Studiengänge sowie Hochschulgruppen, die nichts mit Medien zu tun haben. Ich weiß nicht, wo die Ursache liegt: G8, Bologna?! 3 Jahre im Bachelor vergehen wie im Flug und jeder junge Mensch braucht erstmal Orientierung bevor er selbst was anleiert. Ich denke, dass diese Zeit einfach viel zu kurz kommt. Da überlegen sich viele dann 4. Semester: Soll ich da jetzt noch mitmachen und Filmerfahrung sammeln, weil ich eigentlich muss ich mich auf die Klausuren für eine gute Note konzentrieren, da ich den Master dort machen möchte, wofür ich das brauche.

    Das sind die Überlegungen der Mehrheit!
    Auslandssemester, Sprachen, Lebenslaufcheck, Praktika, Karrieretage…

    Die Energie wird anders rausgeschleudert. Das kommt halt davon, wenn man versucht, junge Leute möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu schmeissen und sie im Schnelldurchlauf durch irgendein Bildungsorgan zu pressen. Warum sonst nehmen sich viele nach dem Studium eine Auszeit, machen Work and Travel etc.?

    Einfach mal im Kontext sehen, dann wird vielleicht vieles klarer. Denn die meisten hätten schon Lust was zu machen. Nur manche Dinge haben im Lebenslauf an der Uni Priorität und das ist nicht Bloggen, Videos drehen etc.

  2. Vielen Dank für die Stellungnahme. Vorweg: Ich heiße Martin Wiens, nicht Martin Wiese und auch nicht beides.
    Prinzipiell stimmst du mir ja in den wesentlichen Punkten zu oder nimmst Bezug auf Dinge, die zwar von meiner Argumentation ausgehen aber außerhalb dieser liegen. Auf ein prinzipielles Missverständnis würde ich jedoch gerne hinweisen. So habe ich in meinem Text bewusst geschrieben:
    “Dieser Text ist also so etwas wie eine Rechtfertigung für die digitale Inkompetenz junger Journalisten. Auch wenn sich keiner rechtfertigen muss. Denn vielleicht ist das ja eigentlich gar keine Inkompetenz – Oder mindestens gewollt.”
    Grundsätzlich gebe ich Karsten Lohmeyer recht und sage nur, dass er sich das vielleicht ein wenig einfach macht. In meinem Text wollte ich nun einige Schwierigkeiten und Probleme nennen, die Jungjournalisten mit der strategischen und zweckdienlichen Social-Media-Nutzung haben. Das betrifft teilweise mich, teilweise auch nur Leute aus meiner Umgebung.
    Du schreibst: “Hier zu sagen, “so haben wir es gelernt, also ändern wir es nicht” ist für einen Journalisten und studierten Menschen fast schon unwürdig – vor allem in Zeiten in denen Social Media in fast alle beruflichen Bereich Einzug hält.”
    Diesen Satz finde ich durchaus grenzwertig. Denn einerseits geht aus meinem Text klar hervor, dass ich selbst diese Argumentation sicherlich nicht verfolge (@martinwiens). Diese Kausalität wurde von dir außerdem vereinfacht und aus dem Zusammenhang gerissen. Ich habe lediglich aufgeschrieben, dass es für viele schwierig ist, die Nutzungsgewohnheiten dahingehend zu ändern, soziale Netzwerke strategisch zu nutzen. Das ist vielleicht traurig, aber Fakt. Ich frage mich teilweise, ob du meinen Text vollständig gelesen hast. Ansonsten hast du ihn in Teilen einfach falsch bzw. anders verstanden, als ich es beabsichtigt habe. Das mag bestimmt auch an meinem Eintrag liegen. Im Kontext sehen -wie oben schon geschrieben- schadet sicherlich nicht.
    Ansonsten vielen Dank für die stimmige Argumentation.

  3. Hallo Benjamin,

    danke für dein Kommentar. Ja vielleicht argumentiere ich auch aus dem alten Uni-System heraus, dass uns damals mehr Freiraum geben hat und weniger “schulisch” war. Und ja, die Noten sind sehr wichtig. Zu sagen ich blogge lieber also zu lernen wäre auch der falsche Weg.

    Beste Grüße

  4. Hallo Martin,

    danke für dein Kommentar und Entschuldigung für die Schreibweise deines Namens. War ein Copy&Paste Fehler, der aber nicht vorkommen sollte.

    Zu deinen Punkten:

    Zitat: “In meinem Text wollte ich nun
    einige Schwierigkeiten und Probleme
    nennen, die Jungjournalisten mit der
    strategischen und zweckdienlichen
    Social-Media-Nutzung haben. “

    Antwort: Das habe ich versucht aufzuzeigen. Wenn ich Journalist bin oder werden will, verfolge ich Ziele (informieren, aufklären, unterhalten usw.) Hierfür verwende ich Werkzeuge (Papier, Computer, Telefon usw.) Und Social Media ist ein Werkzeug. Und es geht auch darum Werkzeuge mit dem Alter, der Reife und der Bildung anders und neu zu verwenden. Wenn man als kleines Kind das Telefon nur verwendet hat, um Freunde anzurufen, kann man als Erwachsener auch nicht unbedingt sagen, dass man mit dem Telefon aus Prinzip keine Unternehmen oder Behörden anruft, weil man das als Kind so nicht gelernt hat. Man wird erwachsen und dadurch verändern sich die Zeile und dadurch die Werkzeuge und ihre Anwendungsmöglichkeiten.

    Zitat: “Du schreibst: “Hier zu sagen,
    “so haben wir es gelernt, also ändern
    wir es nicht” ist für einen
    Journalisten und studierten Menschen
    fast schon unwürdig – vor allem in
    Zeiten in denen Social Media in fast
    alle beruflichen Bereich Einzug hält.”
    Diesen Satz finde ich durchaus
    grenzwertig. Denn einerseits geht aus
    meinem Text klar hervor, dass ich
    selbst diese Argumentation sicherlich
    nicht verfolge (@martinwiens).”

    Antwort: Sicherlich ist die Formulierung “unwürdig” sehr frech gewählt. Ich bzw. meine Kollegen und ich haben im Studium gelernt, dass man gerade bei Studien seine Meinung ändern können muss, wenn die Fakten und Zahlen nicht stimmen. Es geht darum wissenschaftlich und aufgeschlossen zu arbeiten und immer bereit zu sein sein Meinung, seine Methoden, seine Arbeitsweise an die Situation anzupassen. Sonst erhält man keine gute Arbeit/Studien/Erhebungen. Sicherlich ist das alles andere als leicht (der Mensch ist ein Gewohnheitstier), aber bei deinem Text hatte ich gefühlt herauszulesen, dass viele Studenten hinstehen und die Hände in die Hosentaschen stecken.

    Zitat: “Ich frage mich teilweise, ob
    du meinen Text vollständig gelesen
    hast. Ansonsten hast du ihn in Teilen
    einfach falsch bzw. anders verstanden,
    als ich es beabsichtigt habe. Das mag
    bestimmt auch an meinem Eintrag
    liegen.”

    Antwort: Ich habe deinen Text mehrmals an zwei Tagen gelesen. Aber natürlich will mich auch nicht hinstellen und behaupten ich bin unfehlbar. Wenn ich dich falsch verstanden habe bitte ich um Entschuldigung.

    Beste Grüße

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