Verdeckte Preiserhöhung durch E10 Benzin

Mineralölkonzern nutzen die das neue E10 Benzin um auf Kosten der Autofahrer ihre Preise deutlich anzuheben und schieben dabei der Regierung den Schwarzen Peter zu. Autofahrer deren Autos kein E10 Benzin vertragen, haben nur die Wahl zwischen einem kaputten Motor oder dem teuren Treibstoff.

Nicht nur Krieg in den Öl exportierende Ländern und Spekulationen an den Weltbörsen machen die Treibstoff an den Tankstellen immer teurer, auch Preisabsprachen und willkürliche Preiserhöhungen machen den Autofahrern immer mehr zu schaffen.
Durch die Einführung des neuen E10 Kraftstoff, haben die Mineralölkonzerne einen idealen Vorwand gefunden, den Preis für ihren Treibstoff zu erhöhen, ohne dass dabei ihre Produktionskosten gestiegen wären. Der Trick dabei sind ein paar Aufkleber.
Wie der ADAC heraus fand, nutzen die Mineralölkonzerne die Umstellung, um ihr teureres „Super Plus“ zu verkaufen. Was ist passiert?

Dort wo bereits der neue E10 Treibstoff angeboten wird, wird er zum Preis des alten „Super“ angeboten. Das „Super“ ist jedoch plötzlich 5-8 Cent teurer als zuvor. Autofahrer, die nicht genau wissen, ob ihr Auto den neue Kraftstoff auch verträgt haben gar keine andere Wahl, als das deutlich teurere Benzin zu wählen. Doch der Preis hat einen Grund. Der Autofahrer erhält für den höheren Preis auch das hochwertigere „Super Plus“. Ob er will oder nicht.
Verantwortlich für diese Geschäftspraxis ist die „Bestandsschutzregelung“, welche vorsieht, dass Tankstellen, welche den neue E10 Treibstoff anbieten auch immer parallel den alten E5 „Super“ Treibstoff anbieten müssen. Da diese „Bestandsschutzregelung“ jedoch nichts über den Namen oder die Oktanzahl sagt, etikettieren die Tankstellen ihr „Super Plus“ einfach in „Super“ um und erfüllen damit die gesetzlichen Regelungen. Der Preis bleibt dabei jedoch auf dem Niveau von „Super Plus“. Ein Sprit – aber zwei Namen. Der ADAC zitiert in seiner aktuellen Zeitschrift ein internes Schreiben von ARAL, in dem ganz verblümt diese Umetikettierung zugegeben wird.



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Da es Raffinerie- und Tanklager-seitig nicht möglich ist, zusätzlich ein Super 95 mit E5 anzubieten, wird Aral eine SuperPlus als Schutzsorte verwenden. Dazu wird mindestens ein Zapfpunkt (…) von Aral SuperPlus 98 zu Aral Super 95 umgeklebt.“ Und weiter: „Aral SuperPlus 98 und Aral Super 95 kommen aus dem gleichen Tank. Es handelt sich also um identischen Kraftstoff.“ (Zitat ADAC Mitglieder Zeitschrift)

Wie der ADAC richtig erkennt, erhält der Kunde mehr als er wollte und mehr als er vielleicht benötigt. Die „Bestandsschutzregelung“ wird damit systematisch ausgehebelt. Und da die verschiedenen Mineralölkonzerne und Tankstellen ständig ihre Preise anpassen, wird kaum ein Konzern bei diesem Spiel nicht mit machen. Fakt ist, dass nicht die Einführung des E10 Treibstoff den Preis nach oben getrieben hat, sondern die Mineralölkonzern die Chance genutzt haben in einer Nacht und Nebel Aktion ihre Etiketten und ihre Preisschilder zu verändern. Wie immer wird dabei gekonnt der Schwarze Peter der Regierung zugeschoben. Dass die Mineralölkonzerne damit Milliarden an Gewinn machen, ist dann wohl nur ein willkommener Nebeneffeckt?!

Wie der ADAC jedoch anmerkt sind rund 90 Prozent der Autos fähig E10 Kraftstoff zu tanken. Autofahrer sollten sich also schnell und gründlich informieren, ob ihr Auto den neuen Kraftstoff verträgt. Unter http://www.adac.de/e10 findet ihr eine Liste mit Autos, bei denen E10 getankt werden kann.

Akzeptabel für den Motor heißt noch lange nicht gut für die Umwelt:
Der Hauptgrund für die Einführung des neuen E10 Kraftstoff waren wie so oft umwelttechnische Gründe. Durch staatliche Kontrollen und einem größeren Anteil an Biotreibstoff (E10 = 10 Prozent) soll der CO2 Ausstoß um 35 Prozent gesenkt werden. Wichtig ist dabei zu wissen, dass diese 35 Prozent die komplette Verwertungskette beinhaltet. Es werden also sowohl der gesamte CO2 Ausstoß beim Anbau (Landwirtschaft), der Verarbeitung, dem Transport und dem Verbrauch eingerechnet. Alle CO2 Werte zusammengezählt, sollen dann in der Summe 35 Prozent unter den CO2 Werten einer Treibstoffgewinnung aus fossilen Quellen liegen.

Mehr Verbrauch und damit höhere Kosten und höheren Schadstoffausstoß
Diese „35 Prozent Rechnung“ geht jedoch nur dann auf, wenn man die komplette Verwertungskette betrachtet. Betrachte man nur den CO2 Ausstoß eines PKW, sieht die Bilanz bereits deutlich schlechter aus. Wie Autobild bei einem Test herausgefunden hat, erhöht sich der Verbrauch eines mit E10 Kraftstoff fahrenden PKW um durchschnittlich 3 Prozent im Vergleich zu einem PKW, der ohne Bioanteile im Treibstoff unterwegs ist. Da jedoch die meisten Kraftstoffe auch heute schon 5 Prozent (E5 Kraftstoffe) Bioanteile enthalten verringert sich der Mehrverbrauch auf 1,5 Prozent. Der Verbrauch erhöht sich, weil Bioethanol nur zwei Drittel des Energiegehaltes von normalem Benzin hat. Die Energieausbeute ist durch den Anteil an Biomasse somit deutlich schlechter. (siehe auch ADAC)

E10 ja oder nein?
Da laut ADAC 90 Prozent der Autos in Deutschland E10 Kraftstoff vertragen, sollte man auch unter der Berücksichtigung der oben erwähnte „Preisstrategie“ der Mineralölkonzern zu E10 Treibstoff greifen. Den 3 bzw. 1,5 prozentigen Mehrwert sollte man durch lieber durch Verwendung des Fahrrads entgegenwirken als durch erhöhte CO2 Produktion durch Meckern am Stammtisch.

Schäden für den Motor
Verträgt ein Motor kein E10 Kraftstoff, kann es bereits bei einer Tankfüllung zu gravierenden Schäden kommen. Autofahrer sind also gut beraten sich vor dem Tanken zu informieren. Aber mal Hand aufs Herz. Wieviele Autofahrer haben denn nicht schon längst E10 Treibstoff getankt, ohne es zu merken? Man fährt an die Tankstelle und greift automatisch an den Tankrüssel der “billiger” ist. Oft übersieht man den kleinen Aufkleber E5 oder E10. Gerade wenn man wenig Ahnung von Motoren und Technik hat. Somit dürften einige Autos in Deutschland bereits seit Tagen mit dem neuen Kraft unterwegs sein ohne es zu wissen.
UPDATE 20.03.2011: Shell bietet jetzt eine E10 Versicherung ab. Wird ein Schaden am Motor durch E10 festgestellt, bezahlt die Versicherung die Reperatur. Allerdings hat sich Shell gut abgesichert. Die Versicherung zahlt nicht, sobald eine Unbedenklichkeitserklärung für das Auto seitens des Herstellers vorleigt, die Erstzulassung nicht vor 1998 liegt und die Versicherung gilt nur 18 Monate nach dem Tanken bzw. der Registrierung. Diese Absicherung zeigt, dass Shell sich ziemlich sicher ist, hier keine grösseren Beschwerden einzufahren. Es dürfte sich hierbei eher um eine psychologische Beruhigung der Autofahrer handeln bzw. um einen “Unique-selling-point” für Shell. Natürlich werden wieder persönliche Daten erhoben.

UPDATE: Bild.de
Die Onlineseite der Bildzeitung liefert rund um das Thema E10 wieder wie gewohnt hochqualitativen Journalismus.
Eine nicht geringe Zahl an Artikeln locken Leser mit Titeln wie “Bio-Irrsin”, “Wahnsinn an Zapfsäule” und “Nein – Tanke”. Dabei sind alle Artikel gleich aufgebaut. 70 Prozent der Seite wird nach Lust und Laune auf einem einzigen E10 Aspekt “rumgehackt” und 20 Prozent werden “hochqualitative” Kommentare von Bild.de-Lesern wiedergegeben.
Interessant sind die letzten 10 Prozent. Dort findet sich folgende Rechnung:

Wer bisher zehn Liter auf 100 Kilometer verbrauchte, muss nun mit 10,2 Litern rechnen. Bei einem Literpreis von 1,50 Euro zahlt er also statt 15 Euro nun 15,30 Euro auf 100 Kilometer. Tankt er aber überflüssigerweise Super Plus für 1,55 Euro, so zahlt er für die 100 Kilometer 15,50 Euro.

Ein schönes Beispiel wie man die Meinung auf der Strasse für sein Absatzzahlen nutzen kann, gleichzeitig aber vortäuscht, als würde man mit der Rechnung dem Leser die Entscheidung abnehmen.
Auch kommt Bild.de den Lesern gleich soweit entgegen, ihnen Neuwagen aller gängigen Automarken zu empfehlen, sollte deren altes Auto kein E10 vertragen. Auch eine Möglichkeit Werbegelder gezielt einzusetzen.

Weitere Verträglichkeitsliste findet sich hier: http://bit.ly/dU1iTX


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Bätschman

Zweiter Account von Ralf Bachmann--> Details: https://www.ralfbachmann.de/author/ralfbachmann/

4 thoughts to “Verdeckte Preiserhöhung durch E10 Benzin”

  1. Man fährt an die Tankstelle und greift
    automatisch an den Tankrüssel der
    billiger ist.

    Also die Tanken an denen ich immer tanke zeigen den Preis erst nach dem Zücken der Zapfpistole an.

  2. Das Abkassieren und Verwirren der Autofahrer hat Methode. Die ganze E10-“Affäre” ist jetzt wegen der Katastrophe in Japan in den Hintergrund getreten. Bei der Benzinpreisdiskussion wird allerdings oft vergessen, dass der Staat ca. 85 Cent pro Liter an Steuern kassiert. Mehr als die Hälfte des Benzinpreises sind Steuern. Und je teuerer der Sprit wird, umso mehr Einnahmen werden generiert.

  3. Hallo Gerhard,
    die 85 Cent spielen eigentlich keine Rolle. Es sind ja immer Prozentwerte, die an den Staat fließen. Die Tankstellen bzw. die Konzerne bestimmen über den Preise auch die Höhe an Steuern in fest Zahlen.

    Außerdem zeigt sich beim Thema E10 in erschreckender Weise wie unwissend die Leute sind. Auch zeigt sich wie wenig Autofahrer sich die Mühe machen und sich etwas informieren. Bei allen “Strasseninterviews” zeigt sich, dass einfach Parolen übernommen werden. Keiner der Autofahrer liesst im Internet nach oder informiert sich bei seinem Hersteller. Ein überwiegender Teil der Leute plappert das nach, was sie in den Medien oder am Stammtisch gehört haben.

    Ich für meine Teil fahre Diesel. Es betrifft mich also nur gering. Wenn ich aber ein Benzin-Auto hätte würde ich die verschiedenen Quellen wie Werkstatt, Hersteller und verschiedene Automobilkonzerne befragen. Und zwar würde mich mir ein sauberes und professionelles Statement holen. Und nicht den Tankwart fragen, der dann nur sagt: “also ich würde das nicht tanken”. Ein sauber ausformulierte Antwort mit ALLEN Details.
    Aber dafür sind viele Autofahrer leider zu faul. Nachplappern ist viel einfacher.

    Und dann noch den Tankwart bedrohen. Das ist das allerletzte. Auf Grund der selbstverschuldeten Unwissenheit andere angreifen und beleidigen. Das ist unterste Schublade!

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