Tuning-Szene für Elektroautos

Die Tuning-Szene ist eine der umsatzstärksten Branchen in Deutschland. Jedes Jahr investieren Tuning-Fans über vier Milliarden Euro in deutsche Tuningartikel – vom Rennauspuff bis zum Plüschwürfel ist alles dabei. Vielen Tuningfans geht es dabei hauptsächlich um optische Verbesserungen und Individualisierung ihrer Autos. Einige sind aber auch an der Verbesserung der Leistung interessiert. So werden mit Auspuff- und Luftfiltertuning schon mal das eine oder andere entscheidende Mehr an PS aus dem Motor heraus gekitzelt. Doch auch Äußerlichkeiten wie hochwertige Spoiler und Tieferlegungen bringen durch verbesserte Luftwiderstandswerte spürbare Leistungsverbesserungen. Wann schwappt diese Entwicklung auf die Elektromobilität über?

Aerodynamik und Tuning für mehr Reichweite
Es klingt fast schon amüsant, sich zu überlegen welche Tuningmöglichkeiten es im Bereich der Elektromobilität gibt, während sich einige Experten noch darüber streiten, ob sich das Elektroauto überhaupt durchsetzen wird und es noch keine nennenswerten Zulassungszahlen in Deutschland gibt. Sicherlich ist der Markt realistisch gesehen im besten Fall am Horizont zu erkennen. Doch es stellt sich die Frage in wie weit sich durch Tuningmaßnahmen wie z.B. Tieferlegung, Ersatzteile mit weniger Gewicht oder Reifen mit weniger Rollwiderstand, die Reichweite und damit die Alltagstauglichkeit eines Elektroautos steigern lässt? Sicherlich haben sich diese Fragen auch die jeweiligen Autohersteller bereits gestellt und in die Entwicklung der jeweiligen Modelle einfließen lassen. Doch bei allen Autos, egal ob mit Elektro- oder Verbrennungsantrieb, gibt es die Gradwanderung zwischen Sportlichkeit, Bequemlichkeit und Leistungseffizenz. Je nach Kundenklientel und Zielkundschaft, wird das Auto für den am meisten zu erwartenden Einsatz ausgelegt. So muss ein Elektroauto zwar windschnittig sein, doch sollte es für die Alltagsfahrer nicht zu hart auf der Straße liegen. Gerade jüngere Fahrer schätzen jedoch diese tiefer gelegten Autos. In Zeiten in denen nicht Höchstgeschwindigkeit, sondern Reichweite eine Rolle spielen, können diese Tuningeigenschaften auch gut auf die Elektromobilität übertragen werden.

Welche Auswirkungen und welches Preis-Leistungsverhältnis haben z.B……
– qualitativ hochwertige Tieferlegungen
– Sportreifen bzw. Reifen mit weniger Rollwiderstand
– Spoiler, Flügel und andere aerodynamische Anbauteile
– Ersatz- bzw. Tauschteile mit weniger Gewicht
– Alufelgen anstatt Stahlfelgen
– Solarzellen auf dem Autodach
– aerodynamisch optimierte Außenspiegel
– optisch umgebaute Front- und Heckpartien
– usw.
…. um nur einige zu nennen.

Gerade bei Elektroautos, bei denen jeder Steigerung der Luftwiderstandswerte 10 Minuten mehr Zeit an der Ladestation bedeuten können, kann eine Optimierung sinnvoll sein.
Auch zusätzliche Akkus könnten bei einer genauen „Gewicht-Leistung-Reichweiten-Rechnung“ Sinn ergeben. Oder könnte z.B. eine aerodynamisch auf dem Autodacht montierte Solarzelle, die entweder während der Fahrt oder beim Parken den Akku lädt, sich in absehbarer Zeit wirtschaftlich rechnen? Vermutlich kann ein Akku nicht gleichzeitig Energie an den Motor abgeben und Strom aus der Solarzelle speichern. Hier könnte also ein Zweitakku Sinn ergeben, der dann manuell zugeschaltet werden kann. So könnte immer ein Akku geladen werden, während der andere Akku das Auto antreibt. Ist der eine Akku erschöpft, wird einfach per Boardcomputer umgeschaltet. Eine Automatik steuert dann beim Aufladen per Steckdose oder im Ruhezustand per Sonne die Aufladung beider Akkus und wechselt automatisch von einem auf den anderen Akku. Der Zweitakku wäre dann eine Art Reservekanister im Elektroauto.

Turbo-Boost auch bei Elektroautos möglich
Auch die Geschwindigkeit könnte beeinflusst werden. Da (fast) alle Elektroautos mit Blick auf die Reichweite unterhalb ihrer technischen Maximalgeschwindigkeit elektronisch gedrosselt werden, könnte ein guter Tuner diese Drossel manuell abschaltbar machen, um in der gewünschten Situation mehr Geschwindigkeit aus dem Elektroauto herauszuholen.
Überlegungen, die bis sie rechnerisch bestätigt oder wiederlegt sind, weit im Bereich der Phantasie liegen, doch die Formel 1 und die DTM haben bewiesen, dass ein gutes Auto mit gutem Tuning noch besser werden kann. Im Privatsektor bleibt es natürlich ein Rechenexempel, wieviel das Tuning kostet und welche messbaren Verbesserungen am Ende übrig bleiben.

Akkus leasen statt kaufen
Ständige Forschung und Entwicklung ermöglichen immer bessere, leistungsfähigere und langlebigere Akkus. Mit dem Einsatz verschiedener Materialien erreichen die Hersteller immer mehr Speicherkapazität. Ist bei einem kleinen AA-Akku wie er z.B. in einer Fernsehfernbedienung verwendet wird, ist der Austausch und die Neubeschaffung kein Problem. Doch bei einem Akku für ein Elektroauto, der gern und gut bis zu 50 Prozent des Gesamtwertes des Autos ausmachen kann, sieht es schwieriger aus. Darum heisst das Motto leasen statt kaufen. Dies haben auch die Hersteller erkannt, in dem sie die Batterie nicht fest in das Auto einbauen oder mit dem Auto verkaufen, sondern diese für eine monatliche Gebühr zum Leasing anbieten. Interessant wird dieses Konzept, wenn es um die Lebensdauer und damit den Wiederkaufswert auf dem Gebrauchtwagenmarkt geht. Eine geleaste Batterie kann, so zumindest in der Theorie, immer gegen eine neue bzw. generalüberholte Batterie getauscht werden. Und das Elektroauto verliert beim Wiederverkauf deutlich weniger an Wert, da der neue Besitzer beim Autohaus eine neue Batterie leasen kann, welche nicht nur volle Leistung bringt, sondern nach Jahren der Forschung auch eventuell deutlich bessere Werte bieten kann. Somit bleibt der maximale Ladezyklus der Batterie auch bei einem 5 oder 10 Jahre alten Elektroauto technisch gesehen erhalten. Natürlich fehlt auf Grund des jungen Marktes jegliche Praxiserfahrungen wie Autohäuser in Zukunft mit dem Thema Batterie umgehen und auch ein Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos dürfte sich erst in ein paar Jahren entwickeln. Dennoch lohnt es, sich solche Fragen früh und auch vor dem Kauf eines Elektrofahrzeugs zu stellen.

Werkstuning – Luft nach oben
Leider zeigt sich, dass bei allen Autoherstellern das Werkstuning keinen besonders hohen Stellenwert hat. Beispiele wie der Nissan Leaf [eigener Fahrbericht hier] als Tuning Version auf der Tokyo Motorshow 2011 [Foto] zeigen, welche tollen Fahrzeuge die Hersteller auf den Markt bringen könnte, wenn sie sich nur trauen würden. Auch der E-Smart von Daimler [eigener Fahrbericht hier] wurde von Brabus „aufgemotzt“ [Fotos]und bringt jetzt sogar mehr Leistung und mehr Reichweite und soll ab Ende 2012 erhältlich sein. Auch den E-Mini von BMW gibt es in einer Tuning-Version [Foto], aber auch hier ist die Markteinführung unbekannt. Zu ängstlich und zu risikoscheu, so zeigt sich die Autoindustrie zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Hier muss noch einiges, vor allem in den Köpfen der Entscheider passieren.

Neue Ladetechniken geben Hoffnung
Bei aller Leibe zur Technik und zur E-Mobilität, bleibt der Akku das schwächste Glied in der Kette. Noch, denn die Technik geht weiter. Neue Akkus sollen in nur wenigen Minuten voll geladen sein und eine Reichweite von 300km bieten. Somit würde auch eine weite Reise kein Problem mehr darstellen. Auch das berührungslose Laden per Induktion macht Fortschritte. Auto können dann ganz ohne Kabel bequem auf dem Parkplatz oder in der Garage geladen werden. Einfach auf den entsprechenden Parkplatz oder in die entsprechende Garage fahren und die Ladung beginnt. Bezahlt werden könnte in Zukunft ganz einfach mit Bargeld. In Japan wird bereits diese Möglichkeit getestet. Laden im Parkhaus könnte damit in Zukunft so einfach werden wie das Bezahlen am Parkautomat. Einfach auf den Parkplatz fahren, 50 Cent oder 1 Euro einwerfen und nach dem Einkauf ist das Auto wieder voll geladen. Wer im dazugehörigen Supermarkt einkauft könnte sogar ein Gutschein erhalten, mit dem das nächste Mal kostenlos geladen werden kann. Hier sind die Betreiber der jeweiligen Parkhäuser gefragt. Der Wochenendeinkauf wäre damit gleichzeitig die Fahrt an Tankstelle. Auch Kinos, Friseure, Restaurants und andere Unternehmen könnten dieser Art der Ladung anbieten. Den Geschäftsideen steht nur der fehlende Mut und die fehlende Phantasie der Unternehmen im Weg.

7 Responses to Tuning-Szene für Elektroautos

  1. eDriver sagt:

    EV-Tuning … gibt’s doch schon …

    Nur dass die – die sich das leisten – es nicht an die grosse Glocke haengen …

    z.B. es gibt einen Zahnarzt aus dem Taunus … der Faehrt einen Golf CityStromer BJ. 1996 …
    es gibt einen EV-Guru in der Eifel der hat u.a. einen Chevroles S10EV Pickup mit 400km Reichweite …

    LiFePoAkkus fuer 250-350km REICHWEITE und zusatzlader von 10-40KWh !!!

    … und Tuning gibt’s auch …

    Moeglichs SCHMALE REIFEN (Energy-Saver) mit mehr als 3BAR 😉
    Uebrigens SILENT-TUNING ist total angesagt (also moeglicht LEISE !!!)

    … die Leute findet man im elWeb (www.elweb.info)

    Auch die iMiev-Fahrer besorgen sich „Zubehoer“ aus Japan …

    HARDCORE TUNING sieht man u.a. im evalbum.com
    und natuerlich bei Youtube (WhiteZombie EV oder RIMAC electric BMW)

    … ud auch hier mal etwas stoebern … http://www.elweb.de/coppermine/index.php

    In diesem Sinne …
    Elektrische Gruesse aus dem Rheinland!

    http://www.youtube.com/watch?v=XAiM3Vm3C6k

    Seit 5 Jahren kein Benzin mehr (der Reservekanister vom frueheren Benziner
    befuellt im Winter die Standheizung des EV)

  2. Bätschman sagt:

    Hallo eDriver,
    danke für dein Kommentar und natürlich die Links. Diese werde ich mir in einer ruhigen Minute genau zu Gemüte führen.

  3. eDriver sagt:

    … und nochmal …

    http://www.eco-way.ch/?p=10205

    eBulli mit 100 kW Leistung und 350 km Reichweite

    … ist das genug TUNING ?

  4. Bätschman sagt:

    Hallo eDriver,
    jetzt gibt du es mir aber :-). Super, so macht bloggen Spass. Super Links danke. Alle mehr als spannend.

  5. eDriver sagt:

    … ist doch alles schon DA !!!

    „Einfach auf den entsprechenden Parkplatz oder in die entsprechende Garage fahren und die Ladung beginnt. Bezahlt werden könnte in Zukunft ganz einfach mit Bargeld. In Japan wird bereits diese Möglichkeit getestet. “

    Bereits seit 2002 sind in Genua und Turin 30 Elektrobusse im Einsatz, die bei kurzen Stopps an Haltestellen regelmäßig über eine Induktionsschleife nachgeladen werden. Die Verkehrsunternehmen ziehen eine positive Bilanz.

    http://www.produktion.de/clean-tech/mobilitaet/induktives-laden-von-bus-batterien-bewaehrt-sich/

    http://www.spiegel.de/fotostrecke/elektrobusse-laden-an-der-haltestelle-kabellos-ihre-akkus-nach-fotostrecke-83416-2.html

    ES IST (FAST) ALLES „DA“ (EINSATZBEREIT) – aber wozu anbieten … wenn
    man alles nochmal NEU ERFINDEN kann (und es der Steuerzahler per Foerdergeld bezahlt)

    … oder (daran wird hier in -D- noch 10 Jahre geforscht)

    http://www.globaltimes.cn/NEWS/tabid/99/ID/715123/Getting-charged-up.aspx

    An electric bus parked at a battery replacement station in Qingdao, Shandong Province Thursday. The local government put 50 new electric buses on commercial routes in the city Thursday.

    http://www.lifeofguangzhou.com/node_981/node_989/node_997/node_1007/2010/11/19/129014852382496.shtml

    Guangzhou’s First Electric Bus Line Opens
    With a total of 26 buses, Line 801 makes Guangzhou the third city in China with a mass usage of electric vehicle buses (EVBs) after Beijing and Shanghai. (DAS WAR 2010!!!)

    http://www.microvast.com/2012/05/microvast-opens-worlds-first-ultrafast-charge-station/

    http://chinaev.files.wordpress.com/2011/05/wx-bus-batteries.jpg

  6. eDriver sagt:

    Oder mal bei Youtube nach agy10 suchen !!!

    Tour de Ruhr – Go and Stop Sieger 2007
    TUNING VIDEO ELEKTROAUTO 😉

    Citroen AX „electrique“ (BJ. 1995 orginal ab Werk ELEKTRISCH)

    Das war vor 5 Jahren auf dem jaehrlichen Ruhrgebiets EV-Treffen …

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